Die Ethik der moralischen Verantwortung von Gruppenagenten
The Ethics of Blaming and Praising Group Agents
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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Corporate Responsibility,
Ethical Theory,
Moral Responsibility,
Blame,
Praise,
Group Agency
Ein wichtiger Bestandteil unserer moralischen Verantwortungspraktiken besteht darin, Individuen ihre Vergehen vorzuwerfen und sie für guten Handlungen zu loben. Wir werfen normalerweise dann jemandem etwas vor, wenn er etwas moralisch Falsches ohne Entschuldigung getan hat, etwa wenn ein Freund ein Versprechen gebrochen hat und wir empört sind. Wir loben typischerweise jemanden, wenn er etwas moralisch Richtiges oder Außergewöhnliches getan hat und dabei die richtige Motivation hatte. Zum Beispiel bringen wir eine Person Bewunderung dafür entgegen, dass sie mit ihrer selbstlosen ehrenamtlichen Arbeit so vielen Menschen in Not geholfen hat. Philosoph:innen haben detaillierte Theorien über die Natur von moralischen Vorwürfen und Lob entwickelt, darüber, wann jemand des moralischen Vorwurfs oder des Lobes würdig ist, und wann solche Interaktionen zwischen Individuen angemessen sind. Diese Theorien werden in der Regel ausschließlich mit Blick auf Individuen entwickelt. Aber wir haben dieselben moralischen Reaktionen auch in Bezug auf Gruppen. Wir machen Unternehmen moralische Vorwürfe dafür, dass sie die Umwelt verschmutzen. Wir loben NGOs dafür, dass sie unzählige Leben retten. Gruppen sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer moralischen Verantwortungspraktiken. Wie sollen wir das verstehen? Einige Philosoph:innen (moralische Individualist:innen) denken, dass dies immer bedeutet, ein Mitglied dieser Gruppe moralisch zu kritisieren oder zu loben, zum Beispiel den CEO oder eine Managerin. Aber andere Philosoph:innen (moralische Kollektivist:innen) widersprechen dem und meinen, dass zumindest manchmal die Gruppe selbst moralischen Vorwürfen oder Lob ausgesetzt ist. Wir machen der Organisation moralische Vorwürfe, aber nicht notwendigerweise einer bestimmten Person. Sie glauben, dass Gruppen, genauso wie der durchschnittliche Mensch, moralische Akteure sind, die in der Lage sind, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden und entsprechend richtig zu handeln. In dieser Debatte spielen Theorien über moralische Vorwürfe, Lob, moralische Handlungsmacht und moralische Verantwortung eine entscheidende Rolle. Was häufig passiert, ist, dass Philosoph:innen beider Lager einfach die für Individuen entwickelten Theorien auf Gruppen anwenden. Die Gruppendomäne alle moralischen Phänomene die Gruppen betreffen spielt bei der Entwicklung dieser Theorien keine Rolle. Dieses Projekt argumentiert, dass dies ein grundlegender methodologischer Fehler ist. Das Projekt entwickelt eine neuartige Methodologie, bei der die Gruppendomäne eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der relevanten Theorien von moralischen Vorwürfen, Lob, moralischer Handlungsmacht und moralischer Verantwortung spielt. Darüber hinaus untersucht das Projekt auf Grundlage dieser neuen Methodologie, wie die Gruppendomäne diese Theorien beeinflusst.
- Universität Wien - 100%
- Hans Bernhard Schmid, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Paulina A. Sliwa, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Stephanie Collins, Monash University - Australien
- Kasper Lippert-Rasmussen, Aarhus University - Dänemark
- Frank Hindriks, University of Groningen - Niederlande
- Gunnar Björnsson, Stockholm University - Schweden