Die Aschacher Mautprotokolle (1691–1704)
The Toll Registers of Aschach (1691–1704)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (67%); Wirtschaftswissenschaften (33%)
Keywords
-
History,
Trade,
Consumption,
Merchants,
Austria,
Continental Europe
Der Austausch von Waren ist ein wesentliches Kennzeichen menschlicher Kultur aller Epochen. In den langen Jahrhunderten vor der technischen Revolution der Eisenbahn waren Landverbindungen überwiegend in schlechtem Zustand und besonders für den Transport von Massenwaren und schweren Gütern wenig geeignet. Wo es die naturräumlichen und politischen Bedingungen ermöglichten, kam daher der See- wie auch der Binnenschifffahrt eine herausragende Rolle zu. Die technische Entwicklung korrespondierte mit der staatlichen: Die frühmodernen Territorien Mitteleuropas kannten bis weit in das 18. Jahrhundert keine statistische Erfassung von Wirtschaftsdaten. Für die Geschichtswissenschaft stellen daher die RekonstruktionvonWarenströmenundHandelskonjunkturen, von Konsumgewohnheiten etwa der Integration von Kolonialwaren wie Schokolade, Kaffee oder Tee in den Speiseplan oder die Identifikation der Träger von Handel und Transport (Schiffsführer und Kaufleute) große Herausforderungen dar. Den besten Zugang zur Erforschung des Güterverkehrs bieten Mautrechnungen (Mautprotokolle). In solchen Rechnungsbüchern der zahlreichen Mautstellen in der Vormoderne nichts anderes als Zollstationen wurden die Frächter, die von ihnen transportierten Güter, deren Besitzerinnen und Besitzer aber auch die beförderten Passagiere vermerkt. Eine herausragende Serie von Mautrechnungen bilden die Protokolle der Maut zu Aschach in Oberösterreich, von denen für den Zeitraum von 1627 bis 1775 194 Bände erhalten sind. In Aschach hatten die auf der Donau, dem wichtigsten Verkehrsweg im süddeutsch-österreichischen Raum, verkehrenden Fahrzeuge Abgaben zu leisten. Mit den in den Mautprotokollen enthaltenen Informationen kann daher der Warenverkehr zwischen den österreichischen Donauländern und den angrenzenden Regionen rekonstruiert werden. Angeschlossen an das Verkehrsnetz der Donau und ihrer Nebenflüsse waren sowohl bedeutende Handels- und Gewerbestädte wie Ulm, Augsburg oder Linz, Gewerbe- und Agrarregionen wie etwa das ober- und niederösterreichische Eisenrevier oder die niederösterreichischen Weinbaugebiete sowie das alles überragende Konsumzentrum Wien mit Kaiserhof und Adelsgesellschaft. Über Hall in Tirol war der Donauraum mit Italien verbunden, während vor allem in Regensburg Waren aus Übersee und Osteuropa umgeschlagen wurden. Das dritte Phase des Projekts Der Donauhandel erschließt die Aschacher Mautprotokolle von 1691 bis 1704 über eine frei zugängliche Online-Datenbank. Damit kann diese für Österreich einzigartige Quelle über den bisher erschlossenen Zeitraum von 1706 bis 1740 hinaus für weitere anderthalb Jahrzehnte nach den darin verzeichneten Schiffsbewegungen, Personen, Waren und Orten durchsucht und wissenschaftlich ausgewertet werden. Das umfangreiche Datenmaterial aus Aschach ermöglicht die Analyse ökonomischer Konjunkturen, des realen Handelsaufkommens sowie der an Handel und Transport beteiligten Personen, und damit von Orts- und Familiengeschichten.
- Universität Wien - 100%
- Cornelia Sulzbacher, Oberösterreichisches Landesarchiv , nationale:r Kooperationspartner:in