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Das Bündner Epos: Lemnius’ Raeteis

Epic Beginnings of the Grisons: Simon Lemnius’ Raeteid

Florian Schaffenrath (ORCID: 0000-0002-5838-6650)
  • Grant-DOI 10.55776/PAT2678325
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status laufend
  • Projektbeginn 03.11.2025
  • Projektende 02.11.2029
  • Bewilligungssumme 450.017 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    Neo-Latin, Epic Poetry, Early Modern Studies, Grisons

Abstract

Simon Lemnius (ca. 15221550) war der bedeutendste Humanist der Ostschweiz. Er ist insbesondere für die Kontroverse bekannt, die er noch als Student an der Universität Wittenberg mit keinem geringeren als Martin Luther (14831546) ausgetragen hat: Lemnius hatte eine Sammlung lateinischer Epigramme veröffentlicht, von denen sich Luther so angegriffen fühlte, dass er den jungen Lemnius einsperren ließ und schließlich zur Flucht aus Wittenberg zwang. Dafür widmete ihm später Gotthold Ephraim Lessing (172981) eine ausführliche Würdigung als Dichter, der durch sein Werk in Ungnade fiel und zu leiden hatte. Mit der Raeteis, einem lateinischen Epos in neun Büchern, verfasste Lemnius Mitte des 16. Jahrhunderts einen Text, den man mit Fug und Recht als Nationalepos Graubündens bezeichnen kann: Er feiert darin den heldenhaften Kampf dreier Schweizer Gruppen, die sich im Rahmen des Schwabenkrieges 1499 erstmals zusammengeschlossen hatten, um den Truppen Maximilians I. Widerstand zu leisten. Aus dem Zusammenschluss dieser drei Gruppen oder Bünde (Gotteshausbund, Grauer oder Oberer Bund, Zehngerichtebund) ging später Graubünden hervor, das in der Figur des tapferen Benedikt Fontana (um 1450 1499), der der Schlacht an der Calven am 22. Mai 1499 die entscheidende Wendung gegeben hatte, seinen Nationalhelden fand. Das erste literarische Auftreten fand Fontana in Lemnius Raeteis. Der bekannte Schweizer Politiker und Intellektuelle Placidus Plattner (18341924), der 18731874 Regierungsstatthalter von Graubünden war, veröffentlichte 1874 für die "Historisch-antiquarische Gesellschaft von Graubünden" in Chur eine Edition des Epos, deren Vorhandensein zu begrüßen ist, die aber auch große Mängel aufweist: Plattner stützte sich offenbar nur auf eine einzige Handschrift, aber was viel problematisch ist, er griff massiv in den Text ein, strukturierte ihn nach eigenen Vorstellungen neu und kürzte zahlreiche Passagen, wenn sie sich seiner Meinung nach mit den historischen Fakten nicht in Einklang bringen ließen. Ziel dieses Projektes ist es nun, nach eineinhalb Jahrhunderten eine moderne kritische Edition der Raeteis auf der Basis aller bekannten Handschriften vorzulegen, sie mit einer verlässlichen Übersetzung und einem historischen Kommentar zu versehen, der das anspielungsreiche Werk einer breiteren Leserschaft erschließt.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Gregor Heinzle, Staatsarchiv Graubünden - Schweiz

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