Film und Religion in Jugoslawien 1945-1989
Cinema and Religion in Yugoslavia 1945-1989
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (50%); Philosophie, Ethik, Religion (50%)
Keywords
-
Cinema,
Religion,
Yugoslavia,
Socialism,
Film Language,
Frame
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung des neuen sozialistischen Staates Jugoslawien wurde die Religion an den Rand der Gesellschaft und damit auch der Kulturszene gedrängt und wurde durch eher historische Erzählungen ersetzt. Diese historischen Erzählungen, die sich auf den Zweiten Weltkrieg konzentrierten, rückten vor allem in der frühen Nachkriegszeit in den Mittelpunkt des Interesses der Filmemacher. Die Geschichte diente dem Verständnis der Gegenwart und der Zukunft: Das Verständnis der Vergangenheit, einschließlich des Krieges, sollte das Gefühl der Solidarität und der prosperierenden Zukunft des neuen Staates stärken, der auf anderen Prinzipien und Ethos aufgebaut war. Die Religion wurde zu einem Kulturdenkmal und Symbol der Vergangenheit, das in den ersten Jahrzehnten im Kino im Allgemeinen vermieden wurde, um dann in den folgenden Jahrzehnten auf besondere Weise wieder aufzutauchen: als Kritik an der Gesellschaft und als filmisches Ausdrucksmittel. War die Religion im Kino wirklich abwesend, und wenn nicht, welche Rolle spielte sie im Kino und wie war sie mit der historischen Zeit verbunden? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Studie zu diesem Thema, und die bestehende Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf die 1990er Jahre und das postjugoslawische Kino. Kino und Religion in Jugoslawien 1945-1989 (CINEYU) ist die erste wissenschaftliche Studie, die sich mit der filmischen Darstellung von Religion in Jugoslawien zwischen 1945 und 1989 befasst und damit die eklatante Lücke in der wissenschaftlichen Forschung schließt. Ziel dieses Projekts ist es, das komplexe Wechselspiel zwischen Religion und Kino im Staatssozialismus zu analysieren. Durch die Untersuchung der unerwarteten und innovativen Art und Weise, wie Religion in jugoslawischen Filmen dargestellt wurde, bietet CINEYU eine neuartige Methodologie und einen theoretischen Rahmen für die wissenschaftliche Untersuchung der Schnittmenge zwischen Religion und Film. Die Hypothese des Projekts ist, dass die Rolle der Religion in der Gesellschaft durch den Film und insbesondere durch die Analyse der Filmsprache bewertet werden kann. CINEYU betrachtet den Film als primäre und nicht als sekundäre Quelle und führt eine historisch-archivalische Analyse ein, die den Rahmen als Methode der kritischen Analyse konsolidiert, um eine neuartige Methodik für die Untersuchung des Glaubens durch das Kino zu bieten und die Filmsprache in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Untersuchung zu stellen. Das Projekt erweitert die historische Untersuchung der Rolle der Religion auf der Balkanhalbinsel und dient als Modell für zukünftige Untersuchungen zu diesem Thema in verschiedenen Ländern Osteuropas. Als erste systematische Studie über Kino und Religion im sozialistischen Jugoslawien belebt das von PI Dr. Milja Radovic geleitete Projekt die Arbeiten bahnbrechender Filmtheoretiker neu und fördert unser Verständnis des filmischen Erbes und der Kulturgeschichte des jugoslawischen Raums.
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