Araber und Muslime in griechischen Wiener Papyri
Arabs and Muslims in Greek papyri from the Vienna collection
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Greek papyri,
Arabs,
Muslims,
Early Arab Egypt
Im Jahr 639 dringt eine von Commandeur Amr ibn al-As angeführte arabische Armee in Ägypten ein und erobert innerhalb von wenigen Jahren das gesamte Land. Ab diesem Zeitpunkt folgt Ägypten dem Schicksal der anderen südlichen und östlichen Gebiete des Mittelmeerraumes und wird zu einem Teil des neu gebildeten arabischen Reiches. Der Übergang zum neuen politischen, sozialen, religiösen und kulturellen System erfolgt jedoch über einen viel längeren Zeitraum. Lange bleibt das Christentum die Religion der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, und die griechisch-koptische Kultur im weitesten Sinne bleibt nach wie vor die vorherrschende. Griechisch und, insbesondere in bestimmten Bereichen, Koptisch bleiben weiterhin die am häufigsten geschriebenen Sprachen für einen Zeitraum, der weit über das Datum der Eroberung hinausgeht. Aus den ersten anderthalb Jahrhunderten der arabischen Herrschaft ist eine große Anzahl an griechischen Texten auf Papyrus erhalten geblieben. Meist handelt es sich um Dokumente der öffentlichen Verwaltung, wie Briefe, Anweisungen und Mitteilungen, Verwaltungs- und Steuerabrechnungen, Listen usw. Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt eine der reichhaltigsten Sammlungen griechischer Texte aus der frühen arabischen Zeit, aber diese späten Papyri, die außerhalb traditioneller akademischer Spezialisierungen liegen, bleiben größtenteils unveröffentlicht. Dennochsind diese Originaldokumentehistorisch äußerst relevant: Als einzige zeitgenössische und direkte Zeugnisse aus der Zeit der großen arabischen Expansion sind sie grundlegend für unser Verständnis der Umwandlung der östlichen und südlichen Teile der antiken/christlichen Welt in islamisch/arabische Gebiete. Unter den zahlreichen Texten aus dieser Zeit, die in der Wiener Papyrussammlung noch unveröffentlicht sind, wurden mehr als 200 identifiziert, in denen insgesamt über 800 Personen mit arabischen Namen oder Titeln erwähnt werden. Das Projekt zielt darauf ab, einen Band mit vollständigen Editionen (Transkription, Übersetzung, Kommentar und historische Einordnung) von ca. 60 dieser Dokumente vorzubereiten und die übrigen mit Bildern und Beschreibungen in den Online-Katalog der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek aufzunehmen. Die Veröffentlichung dieser Dokumente wird die Quellenbasis für die Untersuchung der Interaktion zwischen Arabern und Christen im Ägypten des 7. und 8. Jahrhunderts erheblich erweitern, einschließlich der Integration der Araber in das Leben und die Aktivitäten der einheimischen Bevölkerung und der Konvertierung eines Teils der ägyptischen Bevölkerung zur neuen Religion und Kultur. Im weiterem Sinne beabsichtigt das Projekt, indem dieses wichtige Material für die historische Forschung zugänglich gemacht wird, zu einem besseren und gründlicheren Verständnis dieser epochalen historischen Phase und ihrer langfristigen Folgen beizutragen.
- Petra M. Sijpesteijn, Universiteit Leiden - Niederlande
- Nikolaos Gonis, University College London - Vereinigtes Königreich