Evolution der menschlichen Intelligenz: Der Flynn Effekt
Evolution of human intelligence: The Flynn effect
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
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Flynn effect,
CHC model,
Intelligence,
Psychometric G,
Measurement Invariance
Die menschliche Intelligenz ist einer der besten Prädiktoren für positive Lebensereignisse und zeigt Zusammenhänge mit Gesundheit, Einkommen oder Lebenszufriedenheit von Menschen. In der Bevölkerung sind alle kognitiven Fähigkeiten positiv korreliert. Das bedeutet, dass Personen, die in einem Bereich gut abschneiden (z.B. bei mentaler Rotation von Würfeln), typischerweise das auch in anderen Bereichen tun (z.B. beim Beantworten von Wissensfragen). Aufgrund dieser positiven Kupplung der Intelligenz nehmen die meisten Forscher einen übergeordneten Intelligenzfaktor an, der als psychometrisches g bezeichnet wird. Die Bevölkerungsintelligenz verändert sich jedoch zwischen den Generationen. Über den größten Teil des 20. Jahrhunderts nahm der IQ zu, ein Phänomen, das als Flynn-Effekt bekannt geworden ist. Diese IQ-Zuwächse waren erheblich, haben aber rezent an Stärke verloren. In einigen Ländern und Domänen scheinen sie sogar stagniert oder sich umgekehrt zu haben. Interessanterweise wurde in den meisten Studien gezeigt, dass der Flynn Effekt negativ mit psychometrischem g assoziiert ist, selbst in Zeiten von IQ-Gewinnen. Diese scheinbar paradoxe Beobachtung hat das Rätsel der zunehmend erratischeren Flynn-Effekt-Muster verschärft. Ein Teil der Antwort könnte mit unserem besseren Verständnis von Intelligenz und deren Messung zusammenhängen. Moderne Intelligenztheorien gehen typischerweise von einer hierarchischen Organisation der Intelligenz mit mehreren untergeordneten Bereichen aus, die alle gemessen werden können. Inkonsistente Flynn-Effekt-Muster könnten daher darauf zurückzuführen sein, dass Veränderungen in etlichen Domänen früher nicht erfasst wurden. Aber auch die Art und Weise, wie wir unsere kognitiven Fähigkeiten nutzen, könnte sich geändert haben. Während in der Vergangenheit eine möglichst große Bandbreite an kognitiven Fähigkeiten ideal für Erfolg war, fördern moderne Umgebungen wahrscheinlich die Entwicklung sehr spezifischer kognitiver Fähigkeiten und führen somit zu zunehmender Fähigkeitsdifferenzierung. Beispielsweise gehen wir heutzutage zum Dermatologen wenn wir Hautprobleme haben, aber zum Chirurgen, wenn wir operiert werden müssen, während wir vor hundert Jahren mit beiden Beschwerden zum gleichen Arzt gegangen wären. Möglich macht das der Fortschritt der Menschheit in vielen Bereichen. Für das einzelne Individuum bedeutet der Erwerb von Expertise in einem bestimmten Bereich die Notwendigkeit andere Bereiche vernachlässigen zu müssen. Wenn wir über kognitive Fähigkeiten in ähnlicher Weise nachdenken, könnte die Fähigkeitsdifferenzierung dazu geführt haben, dass wir immer spezialisierter werden, was zu einer Schwächung der positiven Kupplung der Intelligenz führt. In diesem Projekt suchen wir nach Antworten auf diese Fragen, indem wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Spanien und den Vereinigten Staaten einerseits Archivdaten analysieren und anderseits statistische Daten aus über hundert Jahren synthetisieren.
- Universität Wien - 100%
- Eleni Petkari, Universidad Internacional de La Rioja - Spanien
- William Revelle, Northwestern University - Vereinigte Staaten von Amerika