Zirkuläres Wettbewerbsgleichgewicht
Circular competitive equilibrium
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Circular economy,
General equilibrium,
Input-output analysis
Die Kreislaufwirtschaft wird gemeinhin als Zusammenspiel von Ressourcenteilung, Wiederverwen- dung, Input- & Prozessoptimierung, Abfallvermeidung und restaurativen oder regenerativen Maß- nahmen verstanden, die Rohstoffkreisläufe in Produktion wie Konsum erzeugen soll. Da der Inter- nationale Ressourcenrat der Vereinten Nationen schätzt, dass die Gewinnung und Verarbeitung unberührter Rohstoffe etwa die Hälfte aller globalen Treibhausgasemissionen verursachen, ist es unumgänglich Zirkularitätsaspekte im Wirtschaftskreislauf zu verstärken. Dadurch soll die Gesell- schaft den Einsatz von Rohstoffen und Ressourcen minimieren können, ohne dabei das moderne Wirtschaftssystem mit Privateigentum, dezentraler Organisation, sowie anerkannte politische, so- ziale und Wohlstandsstandards zu gefährden. Obwohl die Idee der Kreislaufwirtschaft weit verbrei- tet ist und häufig im politischen Diskurs bemüht wird, bleibt unklar, welche ökonomische Bedeu- tung und präzise Definition sie über die gängigen, oft oberflächlichen Aussagen hinaus hat. Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, herauszufinden, inwieweit die zentralen Ideen der Kreislaufwirtschaft mit den hochentwickelten ökonomischen Konzepten des dezentralen Wettbewerbs und des Privateigentums kombiniert werden können. Zu diesem Zweck definieren wir Ressourcen auf eine universelle ökonomische Art und erweitern das mikroökonomische Standardinstrumentarium des allgemeinen Gleichgewichtsmodells, indem wir sogenannte Produktions- und Konsumhandlungen als Kernbestandteile definieren und integrieren.Im Gegensatz zu den ökonomischen Standardkonzeptionen von Konsum und Produktion wandeln diese Handlungen Ressourcen in individuellen Nutzen und Gewinn um, beeinflussen dabei jedoch auch andere Elemente der universellen Ressourcenmenge, indem sie (unbeabsichtigte) Nebenprodukte und Abfälle erzeugen. Die individuelle Optimierung führt dann zu dem, was wir als Zirkuläres Wettbewerbsgleichgewicht bezeichnen. Auf dieser neuen methodologischen Grundlage werden wir Konzepte wie (unvollständige) ökonomische Kreisläufe, Ressourcenoptimalität, Nachhaltigkeit und beschränkte Effizienz definieren und bestimmen in welchen Zusammenhänge diese erreichbar sind. Dies wird den Hauptteil des Forschungsprojekts ausmachen. Sowohl im Standard- als auch unserem erweiterten allgemeinen Gleichgewichtsmodell besitzen private Haushalte alle Ressourcen, Produktionsanlagen und Güter. Diese Modellumgebung bildet auch die Grundlage, um die oben beschriebenen theoretischen Ergebnisse herzuleiten. Es ist jedoch völlig offensichtlich, dass viele zentrale Ressourcen den Charakter öffentlicher Güter haben und in Produktions- & Konsumhandlungen wechselseitige Abhängigkeiten entstehen, die unverhandelbare Rahmenbedingungen für andere darstellen. Diese Abhängigkeiten gehen über das Modell des privaten Ressourceneigentums hinaus. Daher wird dieses Projekt die konzeptionelle Grundlage des zirkulären Wettbewerbsgleichgewichts im einfacheren Modell vollständig privater Ressourcen erarbeiten und anschließend versuchen, die Basis für notwendige Erweiterungen auf asymmetrische Information, öffentliche Güter, externe Effekte und fehlende Märkte zu entwickeln. Das angestrebte Ziel des Forschungsvorhabens ist es, eine geeignete Definition von Kreislaufwirtschaft in die bestehende allgemeine Gleichgewichtstheorie zu integrieren, sodass das umfangreiche Wissen des Fachgebiets, das im letzten Jahrhundert entwickelt wurde, für eine ökologische Umsetzung genutzt werden kann. Viele Zentralbanken, staatliche und zwischenstaatliche Organisationen verwenden numerische allgemeine Gleichgewichtsmodelle, um politisch relevante Eigenschaften ihrer jeweiligen Volkswirtschaften zu untersuchen bzw. vorherzusagen. Eine Erweiterung der theoretischen Rahmenbedingungen dieser Modelle auf Elemente der Kreislaufwirtschaft könnte für die Gesellschaft von großem Nutzen sein.
- Universität Klagenfurt - 100%
- Zaifu Yang, University of York - Vereinigtes Königreich