Roma und Sinti darstellen: Fotografische Konstruktionen
Representing Roma and Sinti: Photographic Constructions
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (40%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (60%)
Keywords
-
Media History,
Minority,
Photography,
Representation,
Interwar Period,
Newspaper
Keine europäische Minderheit stand in den Jahren den Zwischenkriegszeit stärker im Fokus der Fotografie als die Gruppe der Roma und Sinti. In vielen europäischen Ländern veröffentlichten illustrierte Zeitungen und Zeitschriften regelmäßig fotografische Bildberichte und Reportagen zum Thema. Diese visuelle Neugier dem Fremden und Anderen gegenüber war in den Mainstream-Medien zwiespältig. Die fotografischen Repräsentationen pendelten zwischen stereotypen Formen der Idealisierung und häufiger noch Strategien der kulturellen, sozialen und rassistischen Ausgrenzung. Parallel dazu entstanden im Zuge der zivilen Emanzipationsbewegungen der Minderheit in einigen Ländern Roma-eigene Zeitschriften, die andere, selbstbewusstere Bilder entwarfen. Nach 1945 gerieten diese fotografischen Berichte weitgehend in Vergessenheit, ein Großteil der originalen Fotoabzüge und Negative ging verloren. Erhalten haben sich aber die gedruckten Zeitungen. Diese in der Forschung bislang wenig beachteten Quellen werden vom Fotohistoriker Dr. Anton Holzer am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien erstmals systematisch untersucht. Das Forschungsprojekt eröffnet damit einen neuen, differenzierten Blick auf die Repräsentationsgeschichte der größten europäischen Minderheit, der Roma und Sinti, im 20. Jahrhundert. Es beschäftigt sich mit zentralen Fragen der historischen und gegenwärtigen europäischen Kultur: Wie werden kulturelle, soziale und ethnische Grenzziehungen gezogen und wie werden sie visuell dargestellt? Wer bestimmt in Bildern, Texten und medialen Diskursen darüber, wo und wie die Grenzen zwischen dem (behaupteten) Eigenen und dem (vorgestellten) Fremden gezogen werden? Das Projekt ist an der Schnittstelle mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen angesiedelt ist, u.a. der Fotografie- und Mediengeschichte, der Sozial- und Kulturgeschichte, der Kunstgeschichte und der visuellen Anthropologie. Methodisch verbindet es avancierte kulturwissenschaftliche, fotohistorische und medienwissenschaftliche Instrumentarien und setzt diese für die Analyse eines transnationalen Quellenkorpus ein. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, einen breiten transnationalen Bildbestand zur visuellen Darstellung und Selbstdarstellung der Roma und Sinti anzulegen. In vertiefenden Untersuchungen werden daraufhin die unterschiedlichen medialen Inszenierungs- und Darstellungsstrategien der Minderheit vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung herausgearbeitet. Ein zentraler Aspekt der Forschung beschäftigt sich mit den Hierarchien des Sehens, also den ungleichen gesellschaftlichen und visuellen Machtverhältnissen zwischen jenen, die die Bilder machten und verbreiteten, und jenen, die porträtiert wurden. Untersucht wird aber auch, ob und inwiefern sich die stereotypen und hierarchischen Repräsentationen von den Selbstdarstellungen der Minderheit unterscheiden. Gab es Möglichkeiten es den hegemonialen und hierarchischen Bildern alternative Darstellungsformen entgegenzusetzen?
- Universität Wien - 100%
- Ilsen About, École des Hautes Études en sciences sociales - Frankreich
- Petre Matei, Elie Wiesel National Institute for the Study of the Holocaust - Rumänien
- Angela Kóczé, Central European University Private University - Ungarn