Edition von E. Frieds "Intimus"-Sendungen der BBC in die DDR
Edition of E. Fried’s “Intimus” broadcasted by BBC into GDR
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (35%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
Erich Fried,
Digital Edition,
BBC German Service,
History of Media,
Culture,
And Literatur In The Gd,
Exile an European Postwar History,
Critique of Totalitarism and Ideology
Der österreichische Autor Erich Fried (1921-1988) ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Er begann 1941 im Exil in London für den German Service der BBC zu arbeiten. In den Jahren 1953-1968 strahlte er dort die wöchentliche Radiosendung Persönliche Betrachtungen (BBC-Codewort: Intimus) aus. Etwa 8 Minuten lang wandte er sich an Hörer*innen in der DDR und nahm kritisch auf literarische, politische, philosophische, kunsttheoretische und psychologische Themen Bezug. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese Sendungen ungedruckt geblieben und unzureichend untersucht worden. Die Österreichische Nationalbibliothek verwaltet Frieds Nachlass und verfügt über handschriftlich kommentierte Typoskripte mehr als 320 Intimus-Sendungen, die oft in verschiedenen Versionen (insgesamt über 620) vorhanden sind, sowie über drei Tonaufnahmen. Das Projekt wird diese kulturell und politisch aufschlussreichen Dokumente erstmals digital zugänglich machen und um Material aus anderen Archiven ergänzen. Die Sendungen werden im Laufe des Projekts transkribiert, digital bearbeitet und ausführlich kommentiert. Der Kommentar wird eine Einführung in die Sendungen, einen Index (Personen, Orte, künstlerische Arbeiten, Institutionen, Veranstaltungen) und Erläuterungen zu Frieds Positionen, Themen, Argumentationsstrategien, historischen und literarischen Kontexten bieten. Neben der digitalen Ausgabe wird eine Buchausgabe ausgewählter und kommentierter Sendungen für die breite Öffentlichkeit erstellt. Die digitale Edition und wissenschaftliche Kommentierung der Sendungen bietet Einblicke in die Verflechtung von Politik und Literatur in der europäischen Nachkriegsgeschichte und in die Rundfunkgeschichte. Für die Kommentierung sind folgende Forschungsfragen leitend: Wie argumentiert Fried, welche rhetorischen und stilistischen Mittel setzt er ein? Welche Themen diskutiert er? Welche inhaltlichen Veränderungen und Wirkungsstrategien zeigen sich im Lauf der Zeit? Wie fielen die offiziellen und inoffiziellen Reaktionen auf die Sendungen in der DDR aus? Die Antworten werden den Zusammenhang zwischen Frieds Stellungnahmen und den sich wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen und Institutionen in der ehemaligen DDR, BRD und in GB verdeutlichen. Das Projekt ist nicht nur ein Meilenstein in der internationalen Fried-Forschung, sondern erschließt einen kaum erforschten Teil der Mediengeschichte des Ostzonenprogramms des BBC German Service. Es erläutert die literarischen und politischen Diskussionen im deutschsprachigen Raum, insbesondere der deutschen Linken, in den 1950er und 1960er Jahren. Aufgezeigt wird, wie literarische Strömungen und (kultur-)politische Entwicklungen in der DDR und BRD wechselseitig aufeinander einwirkten.
- Martin Reisigl, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Hans Sarkowicz, Hessischer Rundfunk - Deutschland
- Carsten Gansel, Justus-Liebig-Universität Gießen - Deutschland
- Manuela Putz, Universität Bremen - Deutschland
- Bodo Plachta, Universität Osnabrück - Deutschland
- Christoph Classen, Universität Potsdam - Deutschland
- Frank Bösch, Universität Potsdam - Deutschland
- Caroline Kita, Washington University in St. Louis - Vereinigte Staaten von Amerika
- Charmian Brinson, Imperial College London - Vereinigtes Königreich
- Emily Oliver, University of Oxford - Vereinigtes Königreich