Bergbau und Ernährung - Ernährung prähistorischer Bergleute
Mining and Dining- Prehistoric Miners’ Foodways
Bilaterale Ausschreibung: Italien, Südtirol
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Biologie (30%); Geschichte, Archäologie (30%); Gesundheitswissenschaften (10%)
Keywords
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Ancient Diet,
Bioarchaeologgy,
Hallstatt saltmines,
Microbiome,
Paleofeces,
Paleoparasitology
In diesem Joint Research-Projekt unter der Leitung des Österreichischen Archäologischen Instituts (Kerstin Kowarik) und dem Institut für Mumienstudien der Eurac (Frank Maixner) werden die Ernährungsgewohnheiten bronze- und eisenzeitlicher Menschen durch mikroskopische und biomolekulare Analysen von Paläofezes (Exkremente) erforscht. Diese Exkremente stammen aus den prähistorischen Salzbergwerken von Hallstatt und sind ca. 3000 Jahre alt (genauer gesagt im 12. bis 10. Jahrhundert v. Chr. und im 8. bis 5. Jahrhundert v. Chr.). Die Forschungen in und um die prähistorischen Salzbergwerke von Hallstatt werden seit Jahrzehnten durch das Naturhistorische Museum Wien durchgeführt. Die interdisziplinäre Untersuchung menschlicher Paläofezes stellt derzeit eines der vielversprechendsten Forschungsfelder dar, um tiefere Einblicke in antike Ernährungs- und Essgewohnheiten zu gewinnen. Paläofezes sind natürlich getrocknete Fäkalien, die in Wüstengebieten, Höhlen, Feuchtbodenkontexten und Salzminen, aber auch in alten Latrinen, Sümpfen oder auch in Bodensedimenten aufgrund besonderer Umweltbedingungen erhalten blieben. In diesen alten Exkrementen verbirgt sich eine Fülle von Informationen über die Ernährung, den Gesundheitszustand der Menschen, die diese Exkremente hinterließen. Selbst deren DNA kann erhalten bleiben. Unter guten Bedingungen lassen sich durch mikroskopische und molekulare Analysen Reste von pflanzlichen Nahrungsmitteln und tierischen Produkten (Fleisch, Milchprodukte) sowie Hinweise auf Parasitenbefall, das Darmmikrobiom und sogar das Geschlecht der Person feststellen. Dies eröffnet die Möglichkeit, Einblicke in prähistorische Ernährungsmuster zu erlangen, die sehr tief hinein in Speisegewohnheiten und Kochpraktiken reichen. In diesem Projekt sollen folgende Fragen untersucht werden: Wie komplex und wie vielfältig war die Ernährung der prähistorischen Bergleute? Wie ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms der untersuchten prähistorischen Bergleute? Lässt die ermittelte Zusammensetzung des Darmmikrobioms Rückschlüsse auf langfristige Ernährungsgewohnheiten zu? Gibt es Hinweise auf den Verzehr von fermentierten Lebensmitteln? Gibt es Zusammenhänge zwischen bestimmten Ernährungsmustern und dem genetischen Geschlecht? Die Forschungsarbeiten werden in Zusammenarbeit mehrerer Institutionen durchgeführt: Österreichisches Archäologisches Institut an der ÖAW, Eurac Bozen, Naturhistorisches Museum Wien, CIBIO Universität Trento, Institut für Systems Biology Seattle, Geosphere Austria, MedUni Wien.
- Österreichische Akademie der Wissenschaften - 77%
- Medizinische Universität Wien - 9%
- GeoSphere Austria (GSA) - 12%
- Naturhistorisches Museum Wien - 2%
- Daniela Festi, GeoSphere Austria (GSA) , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Julia Walochnik, Medizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Karina Grömer, Naturhistorisches Museum Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Nicola Segata, Università di Trento - Italien
- Robert Moritz, Institute for Systems Biology - Vereinigte Staaten von Amerika