Liminale Wasserwege - Flüsse in der Krise
Liminal Waterway Countercultures - Rivers in Crisis
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Migration,
Slavic literature,
Comparative Literature,
Ecocriticism,
Film,
German literature
Dieses interdisziplinäre, vielsprachige und transnationale Projekt, geleitet von den Literaturwissenschaftlerinnen Dr. Yvonne Zivkovic und Dr. Stefanie Populorum, geht literarischen and filmischen Krisennarrativen rund um die geographischen, historischen und kulturellen Verflechtungen zwischen den Flüssen Donau, Drau und Drina nach. Das Projekt ist an der Schnittstelle zwischen Germanistik und Südslawistik angesiedelt, und erforscht diese drei liminalen Wasserwege sowohl als abgrenzende als auch als durchlässige Orte, welche Österreich und den Westbalkan in der kulturellen Imagination verbinden, mitsamt ihren unterschiedlichen Herausforderungen und Annäherungen. Im Laufe der nächsten zwei Jahre wird unser Projektteam literarische und filmische Darstellungen von Flüssen erforschen, in welchen diese nicht nur als wichtige internationale Transport- und Handelsrouten, sondern auch als identitätsstiftende Entitäten, welche kollektive Zugehörigkeiten und nationales Kulturerbe formen, dargestellt werden. In ihrer Funktion als liminale Berührungspunkte für verschiedene linguistische, ethnische, und religiöse Bevölkerungsgruppen bilden sie konkurrierende Machtdiskurse ab, in welchen sich Vorstellungen von Reinheit und Eigentum stets im Konflikt zu den hybriden and transnationalen Eigenschaften dieser Naturschauplätze befinden. Trotz wiederholter Bemühungen diese Flüsse im Verlauf der letzten Jahrhunderte auf unterschiedlichste Weise zu kontrollieren (durch Begradigungen, Dammbau, Abholzung usw.) und zu überwachen (u.a. durch Schranken, Überwachungstechnologien, Patrouillen) sind diese Flüsse nach wie vor unberechenbare Schauplätze ökologischer und humanitärer Katastrophen wie Überflutungen, Dürren, Umweltverschmutzungen, Menschenhandel und Migration. Das Projekt untersucht, auf welche Art und Weise österreichische und (ex)-jugoslawische Prosa, Reiseberichte, Volkssagen, Gedichte und Filme von 1918 bis zur Gegenwart ökologische, ökonomische und politische Krisen durch das Motiv der Flüsse verhandeln, wobei Donau, Drau und Drina als zentrale Fallstudien fungieren. Ziel des Projektes ist es, durch eine transnationale Karte von literarischen und filmischen Flussnarrativen herauszuarbeiten, wie historische Krisenerfahrungen diese drei Flusslandschaften miteinander verbinden, aber auch welche Anhaltspunkte sie für individuelle und kollektive Resilienz bieten.
- Universität Graz - 100%
- Astrid Kury, nationale:r Kooperationspartner:in