Akustische Signale werden im Säuger-Innenohr durch Neurotransmitterfreisetzung von cochleären
Haarsinneszellen in elektrische Nervenimpulse umgewandelt, die mit exquisiter zeitlicher Präzision
über den angeschlossenen Hörnerv an das ZNS übertragen werden. Um die Transmitterfreisetzung
während der entwicklungsbedingten Reifung der Hörbahn zu optimieren, spielt intrinsische prä-
sensorische Spontanaktivität in der auditorischen Peripherie eine essentielle Rolle. Derzeit sind jedoch
die zellulären Regulations-Mechanismen der spontan auftretenden Aktivitätsmuster noch weitgehend
unbekannt. Da Neurotransmitterfreisetzung mit Protonen-Sekretion einhergeht und pH-Veränderungen
die Funktionsweise von diversen Ionenkanälen beeinflussen können, zielt das internationale
Kollaborations-Projekt HAIRSPIKE zwischen dem Institut für Physiologie der Medizinischen
Universität Innsbruck und dem Institut für Neurowissenschaften der Universität von Montpellier in
Frankreich nun darauf ab, die modulatorische Funktion von lokalen pH-Schwankungen auf die
Haarzell-Erregbarkeit zu erforschen. Hierzu kommt eine Kombination aus Molekularbiologie,
hochauflösender Licht-Mikroskopie, elektrophysiologischer Messungen und Modelling zum Einsatz.
Die erhobenen Daten sollen zu einem erweiterten Verständnis der Haarzellentwicklung und der
funktionellen Maturierung der aufsteigenden Hörbahn beitragen.