Translation im Post-Exil: Person, Text, Verflechtung 1945-60
Post-Exile Translation: People, Texts, Entanglements 1945–60
Weave: Österreich - Belgien - Deutschland - Luxemburg - Polen - Schweiz - Slowenien - Tschechien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)
Keywords
-
Translation Studies,
History Of Translation,
Exile Studies,
Knowledge Circulation,
Literary History,
History Of Knowledge
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Translator*innen, die ins Exil gegangen waren vor essenziellen Entscheidungen: Sollten sie in ihre Heimatlander zuruckkehren, in ihren Exillandern bleiben oder anderswo neue Moglichkeiten suchen? Die gesamte Verlagswelt musste einen Neustart schaffen unter den Maßgaben der alliierten Besatzungsmachte, die eine Entnazifizierung durch demokratische Bildungsarbeit genannt Reeducation der Bevolkerung in Deutschland und Österreich anstrebte. Das Projekt Translation im Post-Exil: Person, Text, Verflechtung 1945-60 ist ein kollaboratives Projekt an der Universitat Graz, der Johannes Gutenberg Universitat Mainz sowie der Universitat Lausanne. Das Projekt untersucht die Translationsaktivitaten in dieser Zeit des Wandels und beleuchtet die Herausforderungen, denen sich Translator*innen in der Nachkriegszeit stellen mussten. Aufbauend auf Forschungsergebnissen des Projekts Exil:Trans, das das Leben und die Arbeit von Translator*innen wahrend ihres Exils (1933-1945) untersuchte, verlagert Post-Exile Translation den Schwerpunkt auf die Nachkriegsjahre. Das Hauptziel von Post-Exile Translation ist es, die sozialen, kulturellen und politischen Veranderungen der Nachkriegszeit durch die Brille der Translation zu beleuchten. Das Projekt untersucht die miteinander verflochtenen Biographien von Ubersetzer*innen, Dolmetscher*innen und anderen Translator*innen, ihre Netzwerke und das Schicksal der von ihnen produzierten Texte. Ein Fokus wird auf die Translationspolitik der Besatzungsmachte gelegt, wobei deren Auswirkungen auf den Buchmarkt und die Wissenszirkulation in die neu entstandenen Nachkriegsgesellschaften untersucht werden. Post-Exile Translation arbeitet uber disziplinare Grenzen hinweg. Diese verbinden biografische Forschung mit der Untersuchung der Steuerungsmechanismen von Translation. Durch den Einsatz digitaler Tools werden biografische und bibliografische Daten uber Translator*innen gesammelt, archiviert und visualisiert. Diese Ressourcen werden uber Öpen Access Önline-Datenbanken wie UeLEX und DLBT zur Verfugung gestellt, um die offentliche Auseinandersetzung mit unseren Ergebnissen zu fordern und das Bewusstsein fur die zentrale Rolle von Ubersetzer*innen, Dolmetscher*innen und anderen Translator*innen bei der Gestaltung kultureller Narrative zu scharfen. Translation im Post-Exil leistet einen Beitrag zu den Bereichen Translationswissenschaft und Translationsgeschichte, indem es die Akteur:innen und ihre kontextualisierten Handlungen in den Vordergrund stellt. Wir betrachten Translation im politischen und sozialen Kontext, in dem sie stattfindet. Entscheidungen uber Translation, die von staatlichen Stellen und Verlagen getroffen werden, haben tiefgreifende Auswirkungen auf kulturellen Transfer. Translation im Post-Exil versucht, diese Zusammenhange zu beleuchten und unser Verstandnis fur die Bedeutung von Translation fur das Gefuge der Nachkriegszeit zu bereichern.
- Universität Graz - 100%
- Andreas F. Kelletat, Johannes Gutenberg Universität Mainz - Deutschland
- Henking Irene Weber, University of Lausanne - Schweiz