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Visualisierungen von Kult

Visualizations of cult

Marion Meyer (ORCID: 0000-0001-5348-6946)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB105
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 16.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (40%); Geschichte, Archäologie (40%); Soziologie (20%)

Keywords

    Visualization Of Cult, Cult Practice, Cultural Studies, Cult Places, Cult Objects, Visual Communication

Abstract

"Visualisierungen von Kult" behandelt die Strategien visueller Darstellung von Kult sowie Konkre-tisierungen seiner Visualisierung aus historisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive. Kult ist weit gefasst und beschreibt Formen der kollektiven Verehrung und Auratisierung, in religiösen, quasi-religiösen oder trivial-profanen Zusammenhängen. Von Interesse sind Praktiken und Erfahrung von Kult und ihre Manifestationen. Der Themenkomplex wird unter fünf Gesichtspunkten verfolgt: 1. Objekte: Inszenierungen von Kult. Hier geht es um Objekte und um Phänomene, die durch ihre Präsentation bzw. durch die mediale Steuerung ihrer Wahrnehmung zu Kultobjekten werden. Es kann sich dabei um dauerhafte Inszenierungen handeln (Bsp.: Arbeitsinstrumente, wie Devonotialien am Sockel der Büste des Institutsgründers angebracht) oder um performative Akte (Bsp: Bewertung von Gegenständen des persönlichen Besitzes durch Experten in einer Fernsehserie, die Kultstatus erlang-te), um eher spontane Äußerungen (Bsp.: Autographen in Anliegenbüchern) oder um in den Massenmedien angekündigte und verarbeitete Ereignisse (Bsp.: Sonnenfinsternis). 2. Subjekte: Erfahrungen von Kult. Bilder werden zu Bildern erst durch die Wahrnehmung durch Subjekte. Sie entfalten ihre Wirkungen durch Aneignung und Interpretationen durch die Betrach-terInnen (Bsp.: das offene Sehangebot mancher Filmregisseure wie Angelopoulos). Bilder können sehr vielschichtig sein; sie können auf lang etablierte Traditionen rekurrieren und eventuell - gerade im Bereich von kultisch Relevantem - stark verschlüsselt sein. Sie können für BetrachterInnen unter-schiedlicher Traditionen unterschiedlich "lesbar" sein, gezielt BetrachterInnen auf unterschiedlichen Ebenen ansprechen oder mit unterschiedlichen Ebenen spielen (Bsp.: Darstellungen von toratreuen Juden in ikonographischen Schemata christlicher Tradition). Bilder können auch durch die schiere Wucht ihrer Präsenz wirken, insbesondere dann, wenn es sich um ganz neuartige Arten der Visuali-sierung handelt, die selbst zum Kult werden (Bsp: die ersten bewegten Bilder Ende des 19. Jhs.). 3. Personenkult. Die auf Verehrung abzielende Stilisierung bestimmter Personen, für die es in allen Kulturen Beispiele gibt, läßt sich aufgrund des Quellenmaterials für Personen der rezenten Geschichte besonders anschaulich darstellen (Bsp.: für den portugiesischen Diktator Salazar). Personen der Vergangenheit oder auch des Mythos werden instrumentalisiert, um aktuellen Interessen zu dienen - auch wenn diese Inanspruchnahme einer kritischen Prüfung kaum standhält (Bsp.: die als Helden der Schlacht auf dem Amselfeld Verehrten als Prototypen für serbische Nationalisten 1989, 600 Jahre später). Selbstzeugnisse erlauben einen speziellen Blick auf die gelebte Diskrepanz zwischen Realität und Kultfigur (Bsp.: Leben und Werk der Malerin Stainer-Knittel, Vorbild für die Romanfigur der Geier-Wally). 4. Kulträume. Sie sind Stätten des Kultes, Rahmen für Kultausübung und Objekte kultischer Vereh-rung. Räumliche Dispositionen ermöglichen und steuern Kultpraktiken und setzen sie von anderen Aktivitäten ab. Es wird gezeigt, wie mit Raumgestaltung Kulte (Kultstätten und Kulttraditionen in ihrer Diversität und in ihren Eigenarten) sichtbar gemacht werden (Bsp.: wie das Erechtheion auf der Akropolis von Athen Identitätsdefinition und Autochthonieanspruch visualisiert) und wie funktionale Bauten in ein System kultischer Verehrung einbezogen wurden (Bsp.: Kreuze und Inschriften an byzantinischen Brücken). Bei Trägern elaborierter Bilderzyklen (Bsp.: Flügelaltar von Pöggstall in Niederösterreich) können ihre Platzierung wie auch die der Figuren sowie Bildelemente, die Brücken in die Erfahrungswelt der BetrachterInnen schlagen, ein sakrales Ensemble bilden, das den Aktions-raum für Kultpraktiken schafft. Zusätzlich zu Analysen der Raumstrukturierung und -ausstattung ist ein praxeologischer Ansatz erforderlich, um den physischen mit dem sozialen Raum zu verbinden (Bsp.: die symbolische Ordnung der Mariahilfer und der Votivkirche in Wien). 5. Manifestationen von Kultpraxis. Bleibende Zeugnisse von Kultpraxis sind Opfer bzw. Deponie-rungen dauerhafter Gaben, Stiftungen, bildliche Darstellungen von Kultausübung. Bilder sind aus-sagekräftig für Performanz und Importanz des jeweiligen Aktes und seiner Protagonisten und für Mechanismen der visuellen Kommunikation (Bsp.: Frage nach Narrativität von Opferszenen im kaiserzeitlichen Kleinasien). Welche Intentionen die Stifter von Weihgeschenken mit der Wahl ihrer spezifischen Gabe verfolgten, ist eine oft gestellte Frage (Bsp.: Verwendung von seriell hergestellten Tonfiguren für individuelle Anliegen und Interpretation dieser Figuren). Der primäre Zweck des Opfers (Bitte, Dank) kann sich zu dem der Repräsentation der StifterInnen verschieben (Bsp.: Münzen und Medaillen in Grundsteinfunde und Turmknopfdepots in Österreich).

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