Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Rechtswissenschaften (25%)
Keywords
Klosterneuburg,
Stift Klosterneuburg,
Traditionsbuch
Abstract
Das Klosterneuburger Traditionsbuch ist eine der bedeutendsten Quellen zur österreichischen
Geschichte des Mittelalters. Die heute im Stiftsarchiv der Augustiner Chorherren verwahrte
Handschrift enthält knapp über 800 Aufzeichnungen von Rechtsgeschäften des Stiftes, die
von der Gründung durch den Babenberger Leopold III. und seine Gattin Agnes am Beginn
des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts reichen. In ungefähr der Hälfte der Notizen kommt
das Verbum tradere, übergeben, schenken, vor. Daher heißen solche Werke zumeist
Traditionsbücher, also Schenkungsbücher. Als Motiv für eine Schenkung wird meist die
Sorge um das Seelenheil angegeben. Ein paarmal ist ausdrücklich von der Todesnähe des
Schenkers oder der Schenkerin die Rede. Man kann aber auch immer wieder mehr oder
weniger deutlich erkennen, dass in der Notiz oft nur ein kleiner Teil von vorangegangenen
rechtlichen und wirtschaftlichen Verhandlungen mitgeteilt wird und die Schenkung den
Abschluss von Geschäften darstellte.
Die Texte enthalten die Erstnennungen vieler niederösterreichischen Orte und wichtige
sozialgeschichtliche Nachrichten zur Gründungszeit des Klosters bei der neuen Burg und
zur Entwicklung des werdenden Landes. Auch für die Frühgeschichte von Wien ist es eine
maßgebliche Quelle.
Eine erste verdienstvolle Edition durch den seinerzeitigen Stiftsarchivar Maximilian Fischer
erschien 1851. Seither sind bedeutende Studien zu ihren Inhalten erschienen. Die Neuedition
erschließt die Forschungsergebnisse von mehr als eineinhalb Jahrhunderten nicht nur für die
Regionalgeschichte, sondern auch für den überregionalen, ja internationalen Vergleich, für
den diese Quelle noch viel zu wenig wahrgenommen wurde.
Eine ausführliche Einleitung erläutert den historischen Hintergrund und den quellenkritischen
Kontext und erschließt die Edition auch inhaltlich, die Register bieten nicht nur Zugang zum
Text, sondern mit den Varianten der Namen auch philologische Hinweise. Durch die
Neuedition sind vor allem Impulse für die Sozial- und Kulturgeschichte zu erwarten, da die
Handschrift bisher wenig beachtete Nachrichten zu einem breiten Spektrum an Personen
beiderlei Geschlechts sowie zu sozialen Gruppen enthält, das von Angehörigen adeliger Eliten
bis hin zu Handwerkern und Unfreien reicht.