Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (2%); Geschichte, Archäologie (93%); Philosophie, Ethik, Religion (5%)
Keywords
Ephesus,
Sacred Landscapes,
Ancient Cult Practice,
Classical-Hellenistic Sculpture,
Epigraphy,
Archaeozoology
Abstract
Das Felsheiligtum am Panayirdag in Ephesos ist eines der größten seiner Art im ostägäisch-
westanatolischen Raum. Es ist geprägt von Nischen für Weihreliefs, die in die naturbelassenen
Felsoberflächen eingelassen waren. Diese weitläufige Sakrallandschaft vereint mehrere Kultstätten
für die Theoi Patrooi, die von den Vätern ererbten Gottheiten. Zu diesen zählte in Ephesos neben
Zeus und Apollon vor allem die Muttergöttin Meter, der die meisten Inschriften sowie sämtliche
erhaltene Weihreliefs und Terrakottafiguren gelten. Die Blütezeit des Felsheiligtums war das späte 4.
und das 3. Jahrhundert v. Chr.
Vorgestellt werden nicht nur die Ergebnisse und Funde der Grabungen 1926 und 2009, sondern auch
all jene Objekte, die indirekt mit dem Felsheiligtum verbunden werden können. Die 91 marmornen
Weihreliefs vom Typus Ephesos stellen das größte bekannte Corpus an Skulpturen der Meter von
einem einzelnen Produktionsort dar. Die Analyse der Weihinschriften gibt Einblicke in die
Kultgemeinde.
2009 wurde im Nischenareal VII ein ungestörter In-situ-Befund freigelegt, wie er in Felsheiligtümern
nur selten vorkommt. Er stammt aus den Jahrzehnten vor der Aufgabe und rituellen Bestattung des
Kultplatzes in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. Der geschlossene Kontext umfasst neben
Weihreliefs, Terrakottafiguren, Gefäßkeramik und einem kleinen Münzhort auch Tierknochen. Die
Analyse des Fundensembles erlaubt Rückschlüsse auf den Meter-Kult. Für die Weihreliefs stellt der
Befund einen wichtigen neuen Anhaltspunkt der Datierung dar. Es zeigt sich, dass unterschiedliche
Stilvarianten und Qualitätsstufen, die bisher oft chronologisch interpretiert worden waren,
tatsächlich parallel bestanden.