Translanguaging und Selbstreguliertes Lernen
Translanguaging und Self-regulated Learning
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (50%); Soziologie (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
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Translanguaging,
Self-regulated Learning,
Multilingualism,
Learning Strategies,
Academic Language,
Secor
Im gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskurs über Sprachenbildung und Mehrsprachigkeit gewinnen Ansätze und Konzepte an Bedeutung, die darauf abzielen, Mehrsprachigkeit als integralen Bestandteil von Lernprozessen anzuerkennen und als Bildungsressource zur Förderung der Chancengleichheit im Bildungssystem verankern. Gerade in der schulischen Realität einer globalisierten und digitalisierten Gesellschaft wird die Mehrsprachigkeit insbesondere von Schüler:innen aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte immer noch als erheblicher Risikofaktor gesehen, der die Bildungserfolgschancen von Lernenden massiv einschränkt. Trotz zahlreicher interdisziplinärer Studien, die die positiven Effekte und Vorteile von Mehrsprachigkeit in Lernkontexten belegen, finden die lebensweltlich vorhandenen Sprachen der Schüler:innen aufgrund der vorherrschenden monolingualen Strukturen und Sprachideologien in der Institution Schule bei der Gestaltung von Lehr- und Lernsettings kaum Berücksichtigung. In diesem Zusammenhang nimmt Translanguaging, das derzeit eines der international meist rezipierten Konzepte ist und zunehmend als innovativer, multimodaler und transformativer Ansatz beschrieben wird, eine zentrale Rolle in der Diskussion um die Nutzung vorhandener mehrsprachiger Ressourcen der Schüler:innen in heterogenen Klassenräumen ein. In dieser Publikation werden die Ergebnisse der Dissertation der Autorin präsentiert, die die unterschiedlichen Ressourcendimensionen und Potenziale der Mehrsprachigkeit auf Basis des Konzepts Translanguaging analysiert und diskutiert. In einem interventionistischen Forschungsrahmen mittels Interviews, digitaler Lerntagebücher und Gruppendiskussion wurden die translanguagingbezogenen und selbstregulierten Lernpraktiken mehrsprachiger Schüler:innen in Österreich untersucht. Dabei wurde den möglichen Zusammenhängen zwischen individuellen Lernprozessen und den subjektiven Erfahrungen der Schüler:innen bei der gezielten Auswahl geeigneter sprachlicher Mittel aus ihrem sprachlichen Repertoire für die selbstgewählten Lern- und Kommunikationssituationen nachgegangen. Die Ergebnisse dieser Multi-Method-Studie verdeutlichen die konkreten und variationsreichen Anwendungsmöglichkeiten mehrsprachiger und selbstregulierter Lernstrategien von Schüler:innen im Umgang mit bildungssprachlichen Erfordernissen und schulischen Lernanforderungen im Fachunterricht der Sekundarstufe II. Zudem geben die Erkenntnisse Aufschluss darüber, ob und inwieweit die Schüler:innen ihre schulischen Lernziele im primär monolingual ausgerichteten Unterricht durch die Selbstregulierung ihrer mehrsprachigen Ressourcen erreichen konnten. Schließlich liefert das Forschungsprojekt anhand der subjektiven Sichtweisen und Lernerlebnisse mehrsprachiger Schüler:innen translanguagingbezogene und selbstregulierte Handlungsimpulse, die für eine ressourcenorientierte und vielfaltsbewusste Unterrichtsgestaltung fruchtbar gemacht werden können.
- Universität Innsbruck - 100%