Die urnenfelderzeitliche Wallbefestigung von Stillfried
The Late Bronze Age rampart fortification at Stillfried
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Rampart Fortification,
Hillfort Site,
Urnfield Culture,
Stillfried an der March,
Lower Austria,
Late Bronze Age
Erstmals werden die Ausgrabungsergebnisse der Wallbefestigung des Zentralortes Stillfried an der March (Niederösterreich) als gedrucktes Werk der Fachwelt vorgestellt (1000800 v. Chr.). Die archäologischen Untersuchungen standen unter der Leitung von Fritz Felgenhauer (Universität Wien) und fanden zwischen 1969 und 1983 statt. Der Zentralort Stillfried war wirtschaftliches, politisches und religiöses Zentrum am Kreuzungspunkt zweier Handelswege. Seine etwa 18 ha große Hochfläche wurde von einer ringförmigen Befestigung umschlossen. Im Westen geht diese Hochebene flach ins Hinterland über. Aus diesem Grund war der Wall dort besonders mächtig ausgebaut worden. Dieser sogenannte westliche Abschnittswall steht im Zentrum der Untersuchungen. Zu belegen sind drei Errichtungsphasen: Eine Palisadenbewehrung und darauf folgend zwei Hauptausbaustufen mit einem Erdwall und einer Holzkastenreihe. Das ergibt ein etwa 7 m breites Befestigungsbollwerk. Dazu kommt noch der vorgelagerte Graben mit einer Tiefe von ungefähr 7 m. Die hochqualitativen Fotoaufnahmen der Wallbefunde zeigen Details der Holzkästen wie Belege von Blockbautechnik, Feuerspuren und Baumrinde. Sie werden mit diesem Band erstmals veröffentlicht. Der gute Erhaltungszustand des Bauwerks lässt sich durch einen absichtsvoll herbeigeführten Kontakt der Hölzer mit Feuer erklären. Dieser verhinderte rasche Verrottung und fand mittels Unterzündmaterial statt, wie die Grabungsbefunde aufzeigen. An der Schwelle zur nachfolgenden Hallstattzeit führte ein zerstörerisches Feuer zum Ende der urnenfelderzeitlichen Anlage. Die entstandene Brandschicht wurde von mächtigen, stark lößhältigen Materialanschüttungen der nachfolgenden Nutzungsperioden überlagert. Die Hochfläche von Stillfried stellte nämlich über weitere zwei Jahrtausende einen bedeutenden Siedlungsreizpunkt dar. Eine wallartige Befestigung wurde allerdings nicht mehr errichtet. Im Zuge der Markomannenkriege (170180 n. Chr.) war römisches Militär stationiert, wovon zwei Spitzgräben am Südwall zeugen. Am Beginn des Hochmittelalters wird auf der ehemaligen Wallanlage das zentralörtliche Dorf Stillefrida gegründet. Damit kommt dem Platz eine bedeutende Rolle im Landesausbau des 11. und 12. Jhs. zu. Um 1280 n. Chr. wurde die Ortschaft ins Tal verlegt. Nur die am höchsten Punkt errichtete Pfarrkirche verblieb am Hochplateau. Der Band bietet eine ausführliche Forschungsgeschichte zum international bekannten, archäologischen Fundplatz Stillfried: Von seiner Entdeckung durch Matthäus Much (1874) bis zum großen, interdisziplinären Forschungsprojekt von Fritz Felgenhauer. Der Wall von Stillfried reiht sich in die weit verbreiteten Verteidigungswerke der Urnenfelderzeit ein. Seine gut erhaltenen Befunde liefern wertvolle Erkenntnisse zur Bauweise solcher Anlagen, die die europäische Wallforschung wesentlich bereichern werden.