Regesten Kaiser Friedrichs III. (1440-1493), Heft 40
Regesta of Emperor Frederick III. (1440-1493), vol. 40
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Emperor Frederick III,
Charters,
Habsburgs,
Austria,
Vienna
Der vorliegende Band umfasst die im Wiener Stadt- und Landesarchiv überlieferten Urkunden und Briefe aus der Königszeit Friedrichs III. (14401451). Wien überragte als spätmittelalterliche Großstadt mit geschätzten 20.000 bis 25.000 Einwohnerinnen und Einwohnern alle übrigen Städte der Erblande und bildete als Hauptstadt das Zentrum habsburgischer Herrschaftsausübung. Das Verhältnis Friedrichs III. zu Wien gilt aufgrund der späteren Ereignisse insbesondere der Belagerung der Kaiserfamilie in der Wiener Burg (1462) als belastet, was sich aus dem urkundlichen Material für die Königszeit allerdings nicht bestätigen lässt. Der König hielt sich häufig in Wien auf, seine Räte waren präsent, landesfürstliche Amtleute hatten hier ihren Sitz, Wien war Münzstätte des Fürstentums Österreich und Wiener Bürger gehörten als königliche Diener zum Hof. Die finanzkräftige Stadt gewährte nicht unbeträchtliche Darlehen und lieferte Truppen und Kriegsgerät. Die Beziehungen zwischen Herrscher und Stadt waren auf vielen Ebenen eng verflochten und der König meist nah. Inhaltlich konzentrieren sich die Fridericiana der Wiener Überlieferung auf im wahrsten Sinne des Wortes nahe liegende landesfürstliche Handlungsfelder, sei es im heutigen Niederösterreich und an den Landesgrenzen, sei es in der Stadt. Ein dominantes Thema ist die Befriedung des Landes. Für die Feldzüge gegen die vor allem im mährischen und ungarischen Grenzgebiet operierenden Fehdegegner und Söldnerführer musste Wien regelmäßig Truppen stellen. Hingegen begegnen die Konflikte mit Albrecht VI., dem Bruder des Königs, sowie mit Böhmen und Ungarn bezüglich der Vormundschaft Friedrichs III. über Ladislaus (Postumus), ein zentrales Thema landesfürstlicher Politik, nur in wenigen, wenn auch wichtigen Stücken. In einem städtischen Quellenbestand erwartbar und daher wenig überraschend sind Privilegienbestätigungen und Ordnungen für die Stadt und ihre Institutionen, für Kaufleute, Handwerker und den Handel sowie Finanzangelegenheiten und Handels- und Besitzstreitigkeiten. Was jedoch in der Wiener Überlieferung außergewöhnlich und mitunter berührend ist, sind die zahlreichen Interventionen des Königs für Bürgerinnen und Bürgern in schwierigen Lebenslagen, so etwa bei schwerer Verschuldung, Obsorge- und Erbstreitigkeiten, eskalierenden Nachbarschaftskonflikten und Gewalt in der Familie. In einigen Fällen sind auch die entsprechenden Petitionen an den König überliefert, die einen Einblick in die durchaus heftigen Konflikte ermöglichen. In der Wiener Überlieferung der Königszeit ist Friedrich III. nicht nur als oberste Appellationsinstanz und Garant der Gerechtigkeit präsent, er war vor allem erreichbar und im Sinne der Bittstellenden effizient. Es zeigt sich eine von Lebensnähe und Aktivität bestimmte Herrschaftspraxis, die nicht wie anhand von Gesandtenberichten festgestellte wurde (Berger, 2020) von Dilatorik und Konfliktentschleunigung im Interesse der Opazität geprägt ist. Die zahlreichen Empfehlungs- und Förderschreiben Friedrichs III. sind allerdings ein Spezifikum der Königszeit und können wohl als Ausdruck der positiven Beziehung zur Wiener Bürgerschaft interpretiert werden; in der Kaiserzeit sind solche Schreiben nur in geringer Zahl überliefert. Infolge der Bildung der Ständeopposition im Herbst 1451 erfuhr das Verhältnis zur Stadt Wien eine tiefgreifende Veränderung. Im Kontext dieser Wende steht das letzte, sehr scharfe Schreiben des Königs an die Wiener in diesem Band, die den Gehorsam aufgekündigt und sich der Hofburg bemächtigt hatten.