Meilensteine und Straßen in der Provinz Karia
Milestones and Roads in the Province of Caria
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Historical Geography,
Byzantine Empire,
Asia Minor,
Turkey,
Ancient History
Ein wesentlicher Bestandteil der TIB-Bände dient der Darstellung der Verkehrswege. Die vorliegende Studie zum Teil "Karien" ist dem Straßennetz gewidmet, eine in Vorbereitung befindliche soll die Seewege anhand der Portulane und Seekarten von der Antike bis in frühosmanische Zeit behandeln. Der geographische Rahmen der Untersuchung ist die spätantike Provinz Karia, wie sie bei Hierokles beschrieben ist; sie entspricht den Dimensionierungen in den byzantinischen Notitiae episcopatuum. Die in den genannten Quellen erscheinenden Orte waren die Siedlungsschwerpunkte der Region. Sie waren in der Regel miteinander verbunden und bildeten solchermaßen nicht nur den Nukleus der Siedlungsstruktur, sondern auch die Grundlage für das Straßennetz. Karia lag bis auf die Randzone im Norden abseits des Fernverkehrs durch Kleinasien. An der Nordseite des Mäandertales, also nicht mehr in der Provinz Karia, verlief die wichtigste West Ost-Verbindung durch Kleinasien, die bei Antiocheia Maiandru den Mäander auf einer berühmten Brücke querte und dann auch ein kleines Stück auf dem Gebiet der Provinz Karia weiter nach Laodikeia führte. Diese Strecke ist auch in der Tabula Peutingeriana verzeichnet. In der Tabula Peutingeriana erscheint auch eine durchlaufende "Küstenstraße", die es tatsächlich gegeben haben muss, da sie blühende Städte wie Ephesos, Milet, Myndos, Knidos, Loryma und Kaunos miteinander verband, die alle in osmanischer Zeit verfielen. Diese "Küstenstraße" geriet damals in Vergessenheit, wurde aber in jüngster Zeit weitgehend wieder ausgebaut, vor allem um die neuen Tourismuszentren mit einander zu verbinden. Außer der Tabula Peutingeriana, einigen Stellen bei Strabon und diversen Inschriften fehlen weitere literarische Nachrichten zum karischen Wegenetz. So kommt den archäologischen Quellen besondere Bedeutung zu. Hervorzuheben sind hier vor allem die Meilensteine, die nicht nur auf den Straßenverlauf weisen, sondern auch Aussagen über Straßenbaumaßnahmen und Bauherren enthalten. Brücken- und Straßenreste bezeugen in einigen Fällen die genaue Straßenführung. Nach der Schlacht von Mantzikert (1071) folgten zahlreiche Einfälle der Seldschuken und türkischer Stämme in das Mäandertal. An der Straße von Milet (nun mit dem neuen Namen Palatia) bis Antiocheia entstand an der Straße südlich des Mäander eine Festungskette; weitere Festungen wurden an den Pässen zwischen dem Mäandertal und dem Inneren Kariens errichtet. Die engen Beziehungen zwischen dem Paulos-Kloster auf dem Latros und Hyllarima lassen auf einen regen Verkehr in dieser Region schließen, in der es nach den Latros-Urkunden auch zahlreiche Klöster und Kirchen gab. Die Meilensteine sind in der vorliegenden Studie in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und analysiert. Zusammenfassend lassen sich aus den literarischen, archäologischen und historischen Quellen 8 Routen rekonstruieren: 1. Die "Küstenstraße" 2. Die Route südlich des Mäander von Milet nach Antiocheia 3. Die Inlandsverbindung von Milet nach Halikarnassos 4. Die Route durch das Marsyas-Tal 5. Die Route durch das Harpasos-Tal 6. Die Route durch das Morsynos-Tal 7. Die Route von Milet über den Latmos nach Hyllarima und Aphrodisias 8. Die Route von Halikarnassos über Mylasa nach Hyllarima und Aphrodisias.