Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Military administration,
Fortress construction,
Recruitment,
Estates,
State formation,
Central Government
Das Ergebnis der Analyse von ständischen und zentralstaatlichen Anteilen in der Militärverwaltung Oberösterreichs von 1801 bis 1848 fällt durchaus differenziert aus. Natürlich änderte die Dynamik von Krieg und Frieden den Ablauf der Militärverwaltung und die zentralstaatlichen Möglichkeiten merklich. Allerdings zeigte sich auch, dass gerade dort, wo bereits gut eingespielte Behördenapparate existierten (zum Beispiel im Bereich der Rekrutierung), dass der Staat in der Lage war, seine Aufgaben zu erfüllen. Im Bereich der Landwehr sowie des Festungsbaus allerdings konnten und mussten die Stände eine wichtige supplementäre Funktion ausüben, um zumal in der Zeit der napoleonischen Kriege der Monarchie die Realisierung militärischer Projekte zu ermöglichen. Erst in Phasen des Friedens und der Konsolidierung wanderten militärische Agenden (v.a. wirtschaftlicher Art) wieder in den Bereich der zentralstaatlichen Suprematie ohne nennenswerten ständischen Widerstand. Die Ergebnisse meiner Studie ermöglichen so vor allem zweierlei: Erstens liefert sie Einblicke in die Verfasstheit der Zivilbehörden sowie der Militäradministration in Oberösterreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zweitens ermöglicht sie Rückschlüsse auf das herrschaftliche Gefüge der gesamten Habsburgermonarchie in diesem Zeitraum insbesondere für den österreichisch-böhmischen Kernstaat und lässt die Zeit ab 1792 weit weniger modern erscheinen als es noch vor wenigen Jahrzehnten angenommen wurde. So liefert die Arbeit eine Fallstudie hinsichtlich des Verhandlungsprozesses über die Verteilung von administrativen Aufgaben und finanziellen Belastungen und leistet einen Beitrag zur Diskussion über die Staatsbildung in der Habsburgermonarchie auch aus ständischer Perspektive. Zugleich möchte sie damit Impulse für weitere Forschungen zu diesem Thema auf regionalgeschichtlicher Ebene liefern.
- Universität Salzburg - 100%