Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (65%); Wirtschaftswissenschaften (35%)
Keywords
Property Trasmissions,
Social Change,
Headship Succession,
Premodern Rural Societies,
Inheritance Patterns,
Retirement Patterns
Abstract
Die zentrale Fragestellung der Studie dreht sich um die Zusammenhänge zwischen den Praktiken der Weitergabe
von Haus und Landbesitz von Generation zu Generation und den demographischen, ökonomischen und sozialen
Entwicklungen in der ländlichen Gesellschaft der Frühen Neuzeit. Trotz des weitgehenden Fehlens empirischer
Studien zu den Praktiken des Besitztransfers in der Vormoderne verleiteten fest gefügte Vorannahmen die
Fachliteratur lange Zeit zu weit reichenden Schlussfolgerungen über die Zusammenhänge von Besitztransfer,
Heiratsverhalten, Bevölkerungs-wachstum und gesellschaftlicher Entwicklung. Die vorliegende lokale empirische
Fallstudie überprüft die Frage nach diesen vermuteten Zusammenhängen am Beispiel einer kleinen ländlichen
Pfarre in Südböhmen. Zentrale Abschnitte des Buches sind den Zusammenhängen von Heirat und Besitztransfer;
oder dem Rückzug der Besitzer zu Lebzeiten auf das Altenteil sowie den Lebenswegen der Geschwister der
Besitzer gewidmet.
Spielte die Besitzweitergabe an Nicht-Verwandte im 17. Jahrhundert eine große Rolle, nahm seit dem frühen 18.
Jahrhundert die Besitzkontinuität der Familien sowohl bei besitzenden wie bei landarmen Häusern deutlich zu.
Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf die Lebenswege der weichenden` Geschwister, von denen immer mehr
zeitlebens besitzlos blieben. Trotz der in der Pfarre strikt eingehaltenen ungeteilten Weitergabe des Landbesitzes an
eine Einzelperson, verhinderten die Möglichkeiten des regionalen ökonomischen, sozialen und rechtlichen
Kontextes eine sozialstrukturelle Entwicklung zu einer sich stark sozial polarisierenden Gesellschaft. Die Folgen
der regionalen Praktiken der Besitzweitergabe für die soziale und demographische Entwicklung in frühmodernen
Gesellschaften sind nicht ohne den lokalen Kontext zu erklären.