Foto-Text und Sprechen. Trauma und Transformation in den postjugoslawischen Literaturen
Foto-Text and Speaking. Trauma and Transformation
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (90%)
Keywords
-
Yugoslav war,
Trauma,
Photography,
Intermediality,
Narration,
Literature
Auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Ende beschäftigen die Folgen des Jugoslawienkrieges jene, die ihn direkt oder indirekt erlebt haben, sowie deren Folgegeneration. Dies verdeutlichen die postjugoslawischen Literaturen, in denen Narrative der Traumatisierung nach wie vor äußerst präsent sind. Welche Rolle spielt der Jugoslawienkrieg bis heute in der Literatur? Wie verändern sich Traumaerzählungen mit dem Verstreichen der Zeit? Welche Spuren hinterlassen Kriegserfahrungen in Bildbetrachtungen der Betroffenen? Welche Auswirkungen hat Traumatisierung auf die Sprache? Diese Fragen untersucht Ingeborg Jandl-Konrad durch genaue Lektüre von mehr als einhundert literarischen und essayistischen Texten. Dazu entwirft die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin zwei theoretische Ebenen, auf denen sich subjektive Sichtweisen auf Krieg und Trauma ablesen lassen: Als Foto-Text bezeichnet Jandl-Konrad Diskurse, die durch Abbildung, Erwähnung oder Beschreibung von Fotografien in literarischen Werken entstehen. Unter Sprechen versteht sie Formungen des sprachlichen Ausdrucks, die den emotionalen Gehalt des Gesagten sowie suggestive Eigenschaften der Darstellung vermitteln oder metapoetisch reflektieren. Den Schwerpunkt dieser Untersuchung legt die Slawistin auf Bild- und Text-Strategien, die Narrative der Traumatisierung vertiefen oder aber zu deren Aufarbeitung beitragen. Dabei befasst sie sich besondersmit Momenten der Transformation,die im diachronen Blick auf autor:innenspezifische Poetiken deutlich werden. Die Relevanz der dabei gewonnenen Erkenntnisse ergibt sich nicht zuletzt mit Blick auf aktuelle Kriegsereignisse in Europa, auf deren weitreichende und langjährige Folgen sie vorausblicken. Zugleich sind die Kategorien Foto-Text und Sprechen so allgemein konzipiert, dass man mit ihrer Hilfe auch andere gesellschaftspolitische Diskurse untersuchen kann. So widmet sich diese Studie punktuell auch Verhandlungen von Macht, Geschlecht und Identität, die ausgewählten Beispielen ebenfalls eingeschrieben sind.