Verhandlung von Nostalgie mit und von Ex-Minenarbeitern
Negotiating Nostalgia with and among Ex-Mineworkers
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Nostalgia,
Mineworkers,
Shared Authority,
Union Minière du Haut-Katanga,
Knowledge Production,
Loss
Die ehemaligen Minenarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo, um die es in dieser Monografie geht, verloren ihren Arbeitsplatz im Jahr 2003 im Rahmen eines Abkommens der Union Minière du Haut-Katanga, bzw. dessen Nachfolgeunternehmen Gécamines, mit der Weltbank zur Rettung des heruntergewirtschafteten Unternehmens. Diese Minenarbeiter wurden alle zwischen den 1930er und 1950er Jahren geboren, begannen ihre berufliche Laufbahn in den späten 1950er bis frühen 1970er Jahren und erlebten ein Arbeiterleben, das von einer paternalistischen Einstellung der Minengesellschaft zu allen Lebensbereichen geprägt war. Nach der schweren und anhaltenden wirtschaftlichen Krise in der Demokratischen Republik Kongo, die bereits vor ihrem Arbeitsplatzverlust begann und noch lange danach anhielt, sprechen die ehemaligen Minenarbeiter jedoch mit großer Nostalgie von diesem Arbeitsleben und den damit verbundenen Lebensbedingungen. Die vorliegende Monografie konzentriert sich auf zwei Aspekte. Erstens geht es um die Frage, warum sich ehemalige Minenarbeiter in Lubumbashi mit Nostalgie an ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Maßnahmen zur Kontrolle ihres Privatlebens erinnern. Ich konzentriere mich auf eine Art wiederkehrendes Narrativ das von den ehemaligen Minenarbeitern konstant wiederholt wird. Ich bringe ihre Erzählung mit entsprechendem Material aus dem Archiv oder aus Interviews ins Gespräch. Darüber hinaus beziehe ich mich auf andere Narrative aus Lubumbashi um die spezifischen Umstände näher zu beleuchten unter denen sich die nostalgische Rückwärtsprojektion unter den ehemaligen Minenarbeitern als Lösung für aktuelle Probleme und die Zukunft entwickelt hat. Ausgehend von Objekten des Verlustes der ehemaligen Minenarbeiter beantwortet dieses Buch die eingangs gestellte Frage und stellt die Stimme der so genannten freiwillig Ausgeschiedenen (Départs Volontaires) in den Vordergrund. Zweitens stelle ich die Frage: Welche Art von kontextbezogener Methodik kann helfen, die entscheidende Frage der Nostalgie zu beantworten, um sicherzustellen, dass die Stimmen der Départs Volontaires gehört werden? Ich habe einen Ansatz entwickelt, den barazaweb-council. Dieser ermöglichte es, den ehemaligen Minenarbeitern Material aus den Archiven zur Verfügung zu stellen, das ihnen nicht zugänglich war; ein Forum für den Austausch ihrer kollektiven Erinnerungen zu schaffen und gleichzeitig ihren Stimmen den Status eines alternativen Archivs zu verleihen; und den Raum für eine partizipative Wissenschaft zu schaffen, in der alle Stimmen zu Wort kommen. Das Buch bietet eine andere Lesart der Geschichte der ehemaligen Minenarbeiter in Lubumbashi und offenbart Aspekte dieser Geschichte, die nur durch die Kombination von alternativen Archiven und der Berücksichtigung von sprachlichen Strategien sichtbar und hörbar gemacht werden können.