Nachhaltig vergänglich. Zur Materialität des Verfalls
Sustainable Decay. On the Materiality of Transience
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Kunstwissenschaften (70%)
Keywords
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Art,
Material,
Decay,
Sustainability,
Transience,
Decomposition
Omnia transeunt Alles vergeht. Was einst als barocke Lebensweisheit über die Vergänglichkeit alles Irdischen galt, klingt heute wie eine düstere Diagnose unserer Zeit. Artensterben, brennende Wälder, schmelzende Gletscher der planetare Verfall ist Teil unserer alltäglichen Wirklichkeit. Zugleich begegnet uns das Gegenteil: Mikroplastik, das sich über Jahrhunderte nicht zersetzt, oder Atommüll, der für Jahrtausende weiterstrahlt. Da scheint das Vergehen selbst zum utopischen Wunsch zu werden. Der Band Nachhaltig vergänglich. Zur Materialität des Verfalls widmet sich den Widersprüchen einer Epoche, in der das Bewusstsein für Endlichkeit neu verhandelt wird zwischen Zerfall und Bewahrung, Verlust und Hoffnung. Was bedeutet Vergänglichkeit in einer Welt, die gleichzeitig zu schnell altert und zu langsam vergeht? Wie verändert sich unser Denken über Materie, Wert und Zeit, wenn selbst Müll zum Monument wird? In interdisziplinären Beiträgen aus Kunst, Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturwissenschaft untersucht der Band das Verhältnis von Endlichkeit und Ewigkeit, von Verfall und Bewahrung. Die Autor:innen fragen nach den Materialien, die uns überleben, und nach jenen, die sich auflösen. Sie beleuchten den Lebenszyklus von Stoffen von sich zersetzendem Bioplastik bis zu ewig haltbaren Chemikalien , und zeigen, wie wir mit ihnen umgehen. Wie werden vergängliche Materialien zu Werkstoffen? Was für Reaktionen provozieren verfallende Kunstwerke? Welche Reste hinterlassen sie? Werden Pilze uns retten? Und was ist eigentlich für wen nachhaltig? Nachhaltigkeit ist kein so unschuldiges Konzept, wie der heutige Gebrauch vermuten ließe. Entstanden in der deutschen Forstwissenschaft, verfügt der Begriff über eine lange Geschichte der Kontrollierung und wirtschaftlichen Nutzbarmachung von Natur. Heute hat er sich zu einem Mantra entwickelt, dessen Sinn und Zweck oft verschwommen ist. Indem die Beiträge in Nachhaltig vergänglich. Zur Materialität des Verfalls verschiedene, als nachhaltig verstandene Phänomene der Bewahrung, Vergänglichkeit und Transformation auf ihre ökologischen Auswirkungen hin untersuchen, liefern sie auch eine dringend benötigte Kritik des allgegenwärtigen Nachhaltigkeits-Begriffs.