Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (100%)
Keywords
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Walter Benjamin,
Alexander Kluge,
Queer Theory,
Feminist Theory,
Visual Culture,
Memory Work
Was kann die Kritische Theorie uns heute noch über Geschlecht, Medien und Geschichte sa- gen? Dieses Buch zeigt: sehr viel wenn wir sie medienreflexiv lesen und mit (queer-)feminis- tischen Fragen verbinden. Es knüpft an das Denken von Walter Benjamin und Alexander Kluge an und aktualisiert es für Debatten über visuelle Kultur, Erinnerungsarbeit und die Kritik an repressiven Normen in der Gesellschaft. Neu ist der Zugriff: Nicht nur Inhalte, auch mediale Praktiken Fotografie, Film, Literatur, Montage, Collage, Fragment werden als Orte politi- scher Auseinandersetzung gelesen. Im ersten Teil des Buchs steht Walter Benjamin im Zentrum. Anhand seiner Texte zu einer Veränderung der Wahrnehmung in der Moderne und eines Neuen Sehens, wird gezeigt, wie Bilder, wie visuelle Kultur unsere Körper und Sinne prägen und weshalb das auch politische Folgen hat. Benjamins Texte und Denkfiguren zeigen, wie Sehen verkörpert ist, wie Erinne- rungen als Spuren im Unbewussten weiterarbeiten und wie visuelle Kultur Normen verfestigen oder unterlaufen kann. Leitend ist die Suche nach Figuren und Formen, die unerwartete Zusam- menhänge aufzeigen und damit Geschlechter- und Geschichtsbilder neu erscheinen lassen: etwa wenn Benjamins Überlegungen zu Aura und zum Sammeln (Album/Atlas) auf Praktiken des Alltags, der Fotografie und des Kinos bezogen werden. Der zweite Teil des Buchs widmet sich Alexander Kluge. Seine literarischen Arbeiten, Kurz- filme und Montageverfahren erscheinen als Interventionen in konventionelle Schau- und Re- zeptionsgewohnheiten. Bei ihm spielen Eigensinn, Exitstrategien, Amateurfilm-Ästhetik und fragmentarisches Erzählen eine besondere Rolle Formen, die Routinen irritieren und neue Perspektiven auf die deutsche Geschichte eröffnen. Medien machen zwar Geschichte sichtbar, sind dabei aber nie neutral. Durch seine multimedialen Experimente stellt Kluge die Funktions- weise von Medien aus und ermöglicht eine kritische Reflexion darüber, wie Geschichte und Geschlechterverhältnisse erzählt werden und an welchen Stellen man sich aus zermürbenden Verhältnissen auch wieder befreien kann. Die Studie schließt eine Lücke: Der medienreflexive Strang der Kritischen Theorie wurde sel- ten systematisch mit (queer-)feministischen Perspektiven verschränkt. Daraus entstehen me- thodische Vorschläge wie (queer-)feministische Ansätze um historische und medientheoreti- sche Fragen erweitert werden und wie relationale Theoriefiguren die Normen des bürgerlichen Subjekts überschreiten, unterlaufen oder stören können. Für wen? Für alle, die verstehen wollen, wie visuelle Kultur und Geschichtsbilder unser Selbst- und Weltverhältnis prägen: Studierende und Forschende aus Kultur-, Medien- und Geschichts- wissenschaften, Leser:innen kritischer Theorie und eine interessierte Öffentlichkeit.