Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
Literary Reading,
E.T.A. Hoffmann,
Discourse Processes,
Reading Research,
Narratology,
Rezeption Theory
Abstract
In der Verknüpfung von Literaturtheorie und empirischer Leseforschung entwirft Lukas
Kosch ein Modell des literarischen Lesens und begreift literarische Werke nicht als Objekte,
sondern als Geschehen.
Diese Arbeit leistet einen wesentlichen Beitrag zur Grundlagenforschung der
Literaturwissenschaft und der Leseforschung, indem sie ein weit gespanntes Diskussionsfeld
öffnet, auf dem die Frage nach der Bedeutung des Lesens für die Konstitution der
Literaturwissenschaft und der ästhetischen Rezeption noch einmal und ganz innovativ
aufgeworfen wird. Dabei wird die Kluft zwischen Theorien des Lesens, die
Rezeptionsprozesse wenig berücksichtigen, und der empirischen Leseforschung, die sich
kaum auf textzentrierte Lesetheorien stützt, für die Analyse literarischer Leseprozesse
überwunden und das literarische Lesen in einem transdisziplinären Feld verortet. Über die
Zusammenführung von Text und Lesenden hinaus liegt der Fokus vor allem auf der Analyse
des Leseprozesses, der als aktiver Austausch von Textmerkmalen und Rezeptionshandlungen
zu begreifen ist. Das literarische Lesen wird dadurch beschreibbar, dass Textstrukturen in der
fortlaufenden Lektüre auf ihr Rezeptionspotential und die notwendigen kognitiven und
emotionalen Lesekonstruktionen hin untersucht werden. Zentrales Ergebnis ist die
Bestimmung einer kohärenten Begrifflichkeit für die Beschreibung der Interaktion von Text
und Lesenden beim literarischen Lesen anhand der Erzählung Der Sandmann von E. T. A.
Hoffmann.