Camera Caucasica. Netzwerke fotografischer Praktiken (...)
Camera Caucasica. Networks of Photographic Practices (...)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Caucasus,
Russian Empire,
Photography,
Imperial History,
Networks
Das Buch untersucht die Netzwerke fotografischer Praxis im Kaukasus am Schnittpunkt der Macht- und Herrschaftsbereiche der russländischen, osmanischen und iranischen Reiche des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Gutmeyr-Schnur erschließt dabei nicht nur zahlreiche bislang wenig beachtete Facetten der lokalen Geschichte der Fotografie im Kaukasus, sondern integriert diese in eine weltumspannende Geschichte der Technik, wodurch eine vermeintlich periphere Region in das Zentrum eines globalen Forschungsfeldes rückt. Der Autor beschreibt das Zusammentreffen von globalen Einflüssen und lokalen Traditionen, die in Kombination letztlich in regionale Variationen fotografischer Praxis übersetzt wurden. Auch wenn die Kamera als Gleichmacherin wirkte, da die technologischen Voraussetzungen größtenteils weltweit ident und gleichzeitig verfügbar waren, zeigt das Buch dabei auf, dass Fotografien letztendlich das Ergebnis komplexer und verflochtener Netzwerke aus kulturellen Traditionen, politischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Prozessen sind Netzwerke, die in jeder Region der Welt kontinuierlich und unterschiedlich neu zusammengesetzt werden. Camera Caucasica erzählt u.a. von italienischen Alpinisten, österreichischen Kunsthistorikern, schwedischen Ölbaronen, georgischen Krankenschwestern, armenischen Hoffotografen und russischen Anthropologen, die im Zusammenspiel die Entwicklung der Fotografie im Kaukasus prägten. Dies stellt einen zentralen Aspekt in der Bemühung des Buches dar, sowohl die Geschichte der Fotografie als auch der Region insgesamt nicht über nationalgeschichtliche Ansätze, sondern über grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Verflechtung darzustellen. Die Lektüre des Buches entführt den bzw. die Leser:in dabei in die Geschichte des lokalen Eisenbahnbaus im späten 19. Jahrhundert, zu den Weltausstellungen zwischen Paris und Chicago, zu Großprojekten der fotografischen Selbstdarstellung an den Höfen von St. Petersburg und Istanbul, auf die Ölfelder vor Baku, zu mittelalterlichen Ruinen im östlichen Anatolien und auf die höchsten Gipfel des Kaukasusgebirges und erklärt, warum ebendort welche Fotografien angefertigt wurden.