Urnenfelderzeitl. Tier- u. Menschenniederlegungen Stillfried
Depositions of animals and human individuals at Stillfried
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Andere Naturwissenschaften (20%); Biologie (20%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
-
Depositions,
Animals,
Human Individuals,
Urnfield Culture,
Hillfort Site,
Late Bronze Age
Der Zentralort Stillfried war in der späten Urnenfelderzeit ein wirtschaftliches, politisches und religiöses Zentrum (etwa 1000 bis 800 v. Chr.). Seine 18 ha große Hochfläche wurde von einer ringförmigen Befestigung umschlossen. Im Zuge der großflächigen archäologischen Untersuchungen durch Fritz Felgenhauer (Universität Wien) kamen 18 Gruben mit Tierniederlegungen zu Tage (1969-1989). In weiteren sechs Gruben fanden sich vollständige menschliche Skelette sowie Skelettteile und einzelne Schädel. Bereits auf der Grabung vermutete man bei diesen Sonderbefunden einen kultischen Hintergrund. In ihrer Erstfunktion dienten die Gruben als Getreidespeicher. Die meisten der abgelegten Tiere (sieben Rothirsche, sieben Feldhasen, drei Wölfe, drei Wildschweine, ein Fuchs, drei Hausschweine, drei Hunde) befanden sich noch im Säuglingsalter oder waren bereits ausgesprochen alt. Aufsehenerregend ist das Untersuchungsergebnis der Tierknochen, wonach der Großteil der Wildtiere in Gefangenschaft lebte. Bei Rothirsch, Wolf und Reh sind sogar Zuchterfolge zu belegen. Damit ist die älteste Menagerie Europas nachgewiesen. Parallelen können bisher keine genannt werden. Das gebotene Erklärungsmodell zu den bestatteten Wildtieren beruht auf der Annahme, dass große Feste mit mythologischen Darbietungen ausgetragen wurden. Um diese am Zentralort Stillfried besonders eindrucksvoll ausführen zu können, kamen Wildtiere zum Einsatz. Diese mussten gefangen und angelernt werden. Charakterliche Eignung und besondere äußere Merkmale (wie Fellfarbe und Fellzeichnung) haben bei der Tierauswahl sicher eine Rolle gespielt. Damit ging eine gewisse Verehrung einher, die mit einem Speiseverbot für Mensch und Tier sowie einem Bestattungsgebot verbunden war. Die in den Gruben abgelegten Tiersäuglinge werden als Zeugnisse blutiger Tieropfer gedeutet. Mit dieser Publikation ist der unzweifelhafte Nachweis erbracht, dass Wildtierknochen aus archäologischem Zusammenhang nicht ausschließlich als Jagdbeute zu betrachten sind. Dies bringt neuen Schwung in die Thematik des Miteinanders von Menschen und Wildtieren in der Urgeschichte. Den zukünftigen Forschungen ist daher mit Spannung entgegenzusehen. Unter den vielfältigen Befunden mit menschlichen Überresten sind auch zwei Gruben, in die insgesamt 30 Körper(teile) abgelegt wurden. Alle Nachweise werden von den Autorinnen auf ein und dieselbe Totenbehandlungssitte zurückgeführt. Damit ist in Stillfried neben der am dortigen Gräberfeld ausgeübten Brandbestattung eine weitere Totenbehandlungsform zu belegen, die auch von den Nachbarregionen gut bekannt ist (die sogenannten Siedlungsbestattungen). Bei dem reich bebilderten Werk handelt es sich um die vollständige Vorlage dieser besonderen Gruben von Stillfried. In TEIL I werden die Grubenbefunde vorgestellt, während TEIL II Auswertungen von Fachleuten unterschiedlicher Forschungsrichtungen beinhaltet.