Türen ins Paradies: Metalltüren des 11.-12. Jahrhunderts
Gates to Paradise: Metal doors of the 11th and 12th century
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (30%); Kunstwissenschaften (40%)
Keywords
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Medieval Metal Doors,
Chemical Analyses,
11th-12th century,
Photographic Documentation,
Bronze Casting
Nur in besonderen Fällen bestanden Türen in der Vergangenheit aus Bronze. In der Antike waren dies etwa ausgewählte Türen in Tempeln oder Palästen. Diese Tradition wurde im Mittelalter besonders von der Kirche bewusst fortgeführt. Hier kam den Türen, die meist mit bildlichen Darstellungen von biblischen Szenen geschmückt waren, auch eine liturgisch-rituelle Bedeutung zu, da sie auch als Tore zum Paradies betrachtet wurden. Die heute noch erhaltenen bronzenen Türen stellen den einzigen erhaltenen Komplex an Großbronzen aus dem Mittelalter Europas dar; die meisten davon datieren ins 11.-12. Jahrhundert. Aus dieser Zeit haben sich 28 Bronzetüren erhalten: 23 in Italien, drei in Deutschland und jeweils eine in Russland und Polen. Allen Türen ist gemein, dass sie aus verschiedenen Kupferlegierungen bestehen. Die Türen wurden im Wachsausschmelzverfahren hergestellt; sie konnten als Ganzes gegossen werden, oder es wurden einzelne Metallbeschläge auf einem Holzträger angebracht. Einige Türen weisen Einlagen aus verschiedenen Materialien auf, die die farbige Abbildung verschiedener Bibelszenen oder Heiligen ermöglichten. In den bisherigen kunst- und kulturhistorischen Untersuchungen dieser Türen fand die Herstellung selbst und das Zusammenspiel von Material und den Bildern nur wenig Beachtung. Durch umfassende Materialanalysen an allen Türen vor Ort konnten im Rahmen des vom FWF finanzierten GAPAMET- Projektes erstmals Fragen zur Herstellung, zur Materialauswahl und zur Materialbedeutung beantwortet werden. In dieser Publikation werden u.a. verschiedene Aspekte des GAPAMET-Projekts vorgestellt, darunter auch Beiträge von Teilnehmern des Projektworkshops 2023 in Verona. Besonderes Augenmerk wird auf den historischen Kontext, die Charakterisierung der verwendeten Materialien und die Visualisierung von künstlerischen und technologischen Netzwerken gelegt. Ausgehend von den Ergebnissen des GAPAMET-Projekts konnten die Autoren auch auf neu gewonnenen Daten wie chemische Analysen zur Identifizierung der verwendeten Legierungen oder die hochauflösende fotografische Dokumentation der Türen zurückgreifen. Die hier vorgestellten Ergebnisse erweitern unser Verständnis für die Herstellung dieser mittelalterlichen Monumentalbronzen und ihre Verbindungen untereinander. Es ist das erste Mal, dass eine signifikante Anzahl von chemischen Analysen dieser Türen präsentiert wird. Die Herausgeber des Bandes bestehen aus einem internationalen Expertenteam; alle waren Teil des GAPAMET Projekts: M. Mödlinger, Archäologin und Materialwissenschaftlerin, ist Expertin für Metallurgie und antike Metallverarbeitung. J. Utz ist Kunsthistorikerin und beschäftigt sich seit ihrer Magisterarbeit mit mittelalterlichen Türen. H. Schlie ist ebenfalls Kunsthistorikerin und beschäftigt sich in ihrer Forschung mit der Ikonologie von Materialien und Techniken. M. Fera ist Archäologe und erfahren in der Anwendung bildgestützter Dokumentationsmethoden für die Aufnahme von materiellem Kulturerbe.