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Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa

Prehistoric textiles from Central Europe

Karina Grömer (ORCID: 0000-0001-5711-8059)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB127
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 18.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Archaeology, Prehistoric Textiles, Central Europe, Textile Caft, History of Clothing, Function of Textiles

Abstract

Die Erfindung der wesentlichsten Techniken des textilen Handwerkes, die wir zum großen Teil noch in heutiger Zeit anwenden, reicht zurück bis in die Steinzeit. Ein wichtiges Anliegen dieses Buches ist es, ein differenziertes Bild des prähistorischen Textilhandwerkes zu zeichnen. Dieses besteht aus zahlreichen einzelnen Arbeitsschritten nicht nur Spinnen und Weben , die in ihrer Gesamtheit dargestellt werden. Die geschichtliche Tiefe wird durch die verschiedenen archäologischen Quellen deutlich vom Werkzeug über Textilfunde bis hin zu Schriftquellen in der späten Eisenzeit. Ab der Jungsteinzeit, ab den ersten frühen Bauerngesellschaften, entwickelte der Mensch in seinem Einfallsreichtum viele Web- und Nähtechniken, Bindungs- und Musterungsarten, die uns zum größten Teil bis heute begleiten. Ab der Bronzezeit, im 2. Jahrtausend v. Chr., kommt es regelrecht zu einem "Innovationsschub", indem etwa die erste Köperbindung auftaucht sowie Färbung oder Spinnrichtungsmuster. Die Verfeinerung der Textiltechnik erreicht in der Hallstattzeit ihren ersten Höhepunkt. Möglicherweise wurde diese Entwicklung durch die Herausbildung differenzierter Gesellschaftsstrukturen am Beginn der Eisenzeit begünstigt. Dem Haupttitel dieses Buches, der prähistorischen Textilkunst, widmet sich besonders das Kapitel über die Ziertechniken an Stoffen, da hier nicht jene landläufig gedachte primitive Einfachheit vorherrschte. Schon allein die verwendete Gewebebindung ist ein wesentliches gestalterisches Element komplexe Köpervarianten ab der Bronzezeit heben sich schon durch ihr strukturiertes Aussehen von einfacheren Leinwandbindungen ab. Es wird in diesem Buch auch der Versuch unternommen, die meist eher primitivistische Sichtweise auf das prähistorische Textilhandwerk etwas zu relativieren. Es werden Fragen zur Produktionsorganisation, zu Arbeitsteilung und zu den im Handwerk tätigen Personen gestellt. Die Textilien und die Gerätschaften können uns sogar erste Hinweise auf das Produktionsniveau geben. Wurden die Textilien wirklich nur im Haushandwerk geschaffen, oder können wir besonders in der Eisenzeit bereits so etwas wie Spezialisten oder Massenproduktion fassen? Ein ausgedehntes Kapitel über die Kleidung in der mitteleuropäischen Urgeschichte rundet diesen Band ab. Es wurden verschiedene archäologische Quellen zusammengetragen, textile Funde, Schmuckstücke in Gräbern, zeitgenössische Bildquellen und am Ende der Urgeschiche auch Schriftquellen. Im Sinne des Forschungsprojektes "DressID Clothing and Identities. New Perspectives on Textiles in the Roman Empire (2007-2012)" war es auch ein Anliegen, die Bedeutung von Kleidung und Schmuck in der Urgeschichte zu beleuchten. Nicht nur der Schutz vor klimatischen Einflüssen wie Nässe, Hitze und Kälte hat den Menschen der Stein- bis Eisenzeit dazu bewogen, sich zu bekleiden. Nicht zu unterschätzen ist die soziale Funktion von Kleidung als Anzeiger von Macht und Status. Wie auch heute diente Kleidung als wichtiges nonverbales Kommunikationsmittel, sie sagt vieles aus über ihren Träger, über den sozialen Status, über Alter und Geschlecht und auch über Gruppenzugehörigkeiten. Heute wie damals hatte Kleidung eine identitätsstiftende Funktion für den Einzelnen wie für die Gruppe. Die Textilien und die Kunstfertigkeit, mit der sie geschaffen wurden, tragen viel zu dieser optischen Wirkung bei. So schließt sich nun der Kreis zwischen der prähistorischen Textilkunst, der Geschichte des Handwerks und der Kleidungsgeschichte.

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