Der Architekt zwischen Kriegen und Kontinenten. Rolf Geyling
The Archtitect between Wars and Continents. Rolf Geyling
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Kunstwissenschaften (30%)
Keywords
-
Geyling,
Architecture,
Austria,
China,
First World War,
20. Century
Die vorliegende Arbeit widmet sich den folgenden drei Zielsetzungen: 1. Die Biographie Rolf Geylings (1884-1952), einem in mehrerer Hinsicht außergewöhnlichen Architekten, wird in den maßgeblichen Lebenssituationen nachgezeichnet und sein Werdegang von den Wiener Kindheits- und Jugendjahren über die erste architektonische Schaffensphase in Wien und Bukarest sowie den Erlebnissen während des Ersten Weltkriegs bis hin zu seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Architekten-Tätigkeit in China erfahrbar gemacht. 2. Die einzelnen Lebenssituationen werden vor ihrem jeweiligen historischen Hintergrund ausgeleuchtet. Damit werden politische, sozial- und kulturgeschichtliche sowie in Ansätzen auch wirtschaftspolitische Bezüge hergestellt. In diesem Sinne galt es auch, die Lebens- und Arbeitsbedingungen eines Österreichers in China in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere vor dem Hintergrund der bewegten Geschichte zu durchleuchten, die von Bürgerkriegen, vom Krieg mit Japan, vom Zweiten Weltkriegs und schließlich der Machtübernahme der Kommunisten maßgeblich bestimmt war. 3. Geylings Oeuvre wird kunst- und kulturhistorisch interpretiert, zum architektonischen Umfeld in Beziehung gesetzt und somit insgesamt erstmals architekturhistorisch zusammenhängend aufgearbeitet. Am Beginn seiner Karriere stand Rolf Geyling an der Schwelle zwischen historistischer Retrospektive und jener international viel beachteten Moderne, die sich in Österreich um die Jahrhundertwende zu etablieren begann. Die Bauten, die er in den 20er und 30er Jahren in China errichtete, sind stilistisch einer modernen Sachlichkeit verpflichtet. Anhand der Analyse im größeren architekturhistorischen Kontext wird ein umfassender Einblick in den allgemeinen Entwicklungsprozess der Architektur dieser Zeit in Europa und China gewonnen. Als Quellen werden in erster Linie persönliche Dokumente und bisher unveröffentlichte Unterlagen aus dem Nachlass Rolf Geylings sowie weiterer Familienmitglieder herangezogen. Dazu zählen Briefe und persönliche Aufzeichnungen ebenso wie Fotos, Skizzen und Pläne, die im Zuge der Recherche im Privatbesitz der Nachkommen aufgefunden werden konnten. Ein herausragender Stellenwert kommt diesbezüglich dem Tagebuch zu, das Rolf Geyling in der Zeit vom 29. Juli 1914 16. Dezember 1920 führte und dessen Inhalt hier in transkribierter Form in zahlreichen Passagen erstmals öffentlich zugänglich gemacht wird. Die genannten biographischen Zeugnisse werden mit weiteren zeithistorischen Zeitdokumenten kontrastiert und vor dem Hintergrund der relevanten Sekundärliteratur und neuerer wissenschaftlichen Forschungsergebnisse bewertet, womit letztlich eine reflektierte Gesamtwürdigung des Lebens und Werks von Rolf Geyling entsteht.
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