Familienkorrespondenz Ferdinands I. 1535 und 1536
Family Correspondence of Ferndinand I 1535 and 1536
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (15%)
Keywords
-
Ferndinand I,
Correspondence,
Edition
In den beiden Jahren 1535 und 1536 wird die Familienkorrespondenz von jenen vier großen Themen dominiert, die auch schon in der Zeit davor den Briefverkehr zwischen Ferdinand I., Karl V. und Maria von Ungarn, der Statthalterin der Niederlande, maßgeblich bestimmten: - dem Kampf Ferdinands um die Vorherrschaft in Ungarn gegen Johann/Jnos Szapolyai und den zermürbenden Versuchen, mit diesem einen dauerhaften Frieden zu erreichen; - den Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen Ferdinand bzw. Karl und den Osmanen und deren Vasallen, die im für den Kaiser siegreichen Kriegszug gegen Tunis gipfelten; - dem Konflikt mit Frankreich, der nach dem Tod des letzten Sforza-Herzogs in Mailand (Oktober 1535) wieder virulent wurde und 1536 in einen weiteren Krieg mit Franz I. mündete; - und schließlich der konfessionellen Spaltung im Reich, für die die Habsburger v. a. den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich, Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Ulrich von Württemberg verantwortlich machten. Im Rahmen der ungarischen Frage sind auch die Streitigkeiten zwischen Ferdinand und seiner Schwester Maria zu sehen, die auch noch zehn Jahre nach der Schlacht bei Mohcs um den Erhalt ihrer ungarischen Besitzungen kämpfen musste. Andere häufig behandelte Themen wie die so genannte Grafenfehde in Dänemark, das Ringen mit dem Papst um ein Konzil oder die Spannungen mit Heinrich VIII. von England sind vor dem Hintergrund dieser großen Konfliktfelder zu sehen. Daneben finden sich in den beiden Jahrgängen aber auch etliche kleinere Problemkreise, die relativ unabhängige Sonderfragen darstellen, wie z. B. die Niederringung der Wiedertäufer in Münster, die zwischen Venedig und Ferdinand strittigen Lehens- und Besitzverhältnisse im Friaul, die Streitigkeiten um die Instandhaltung der Herrschaft Héricourt, die Bezahlung des Reichskammergerichts oder die Zugehörigkeit der Niederlande zum Reichsverband. Die Länder der böhmischen Krone spielen in der Korrespondenz der Jahre 1535 und 1536 nur eine untergeordnete Rolle. Ferdinand erwähnte nur kurz, dass er die mährischen Stände in Znojmo/Znaim einberufen habe, wo es neben der Klärung innenpolitischer Angelegenheiten in erster Linie um die Beschaffung von Geld ging. Wurden schon in den Jahren 1533 und 1534 in der Familienkorrespondenz Ferdinands I. kaum unpolitische Themen behandelt, so sind die beiden folgenden Jahrgänge in dieser Hinsicht noch karger, wird in ihnen doch nicht einmal mehr die Jagd erwähnt. 1535 und 1536 gibt es eigentlich nur zwei Themen, die man und das nur mit Abstrichen als unpolitisch bezeichnen könnte, nämlich die regelmäßig wiederkehrende Sorge um die Gesundheit von Familienmitgliedern und engen Beratern und die einmalige Versendung eines Geschenkes. Der vorliegende Band hält sich weitgehend an die Editionsrichtlinien, wie sie für die letzten beiden Bände galten, bringt aber in einem Punkt eine Neuerung: Nach den für eine Volledition sehr ausführlichen deutschsprachigen Regesten wird eine englische Übersetzung gebracht, da das Deutsche nicht mehr als lingua franca der Wissenschaft gelten darf, die Familienkorrespondenz Ferdinands I. aber eine wichtige Quelle für ForscherInnen ganz verschiedener Sprachen darstellt.
- Universität Salzburg - 100%