Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
Musical Repertoires,
Late Middle Ages,
Music Sources,
Central Europe
Abstract
Der vorliegende Band geht zurück auf eine im November 2010 an der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften abgehaltene internationale Konferenz zu den Prozessen & Praktiken der Aneignung musikalischer
Repertoires in Zentraleuropa, ca. 14201450. Hierunter fallen einerseits gattungs-, kompositions- und
institutionengeschichtliche Vorgänge, die sich in der Rückschau als musikgeschichtliche Entwicklungen darstellen,
andererseits das aus je einmaligen Konstellationen heraus motivierte kulturelle Handeln historischer Individuen.
Das spätmittelalterliche Wien bietet einen exzellenten Ausgangspunkt für die Erkenntnis der Gleichzeitigkeit
ungleichzeitiger Phänomene und der Pluralität musikalischer Repertoires in einer Schlüsselphase der
abendländischen Musikgeschichte; dies gilt sowohl in Hinblick auf seine ausgeprägte institutionelle Gemengelage,
das Nebeneinander von Hof, Universität, Bürgerschaft und ihrer Stadtschule sowie einer längerfristig im Aufstieg
zur Kathedrale begriffenen Kollegiatskirche Allerheiligen an St. Stephan, als auch seine Austauschprozesse
zwischen dem österreichisch-zentraleuropäischen Raum mit Böhmen, Oberitalien, dem Oberrhein und anderen
Territorien begünstigende geographische Lage.
Die insgesamt dreizehn hier vereinten Fallstudien, ergänzt um eine ausführliche thematische Einleitung, beleuchten
verschiedenste Repertoireschichten sowohl der polyphonen Kunstmusik als auch des einstimmigen Liedes, die
Persönlichkeiten der Sammler und Patrone, Kompositionstechniken, Stiltopographien und frühe Prozesse der
Kanonbildung, aber auch mentalitätsgeschichtliche und ikonographische Aspekte und werden so zu
Momentaufnahmen einer äußerst lebendigen, durch Vielfalt methodischer Zugänge charakterisierten Forschung.