Antike Malerei zwischen Lokalstil und Zeitstil
Ancient wall painting
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Kunstwissenschaften (20%)
Keywords
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Ancient wall painting,
Ancient art history,
Classical Archaeology
Unter dem Generalthema Antike Wandmalerei zwischen Lokalstil und Zeitstil fand vom 13.- 17.09.2010 in Ephesos (Türkei) das XI. internationale Kolloquium der AIPMA (Association Internationale pour la Peinture Murale Antique) statt. Rund 150 Spezialisten aus 16 Nationen widmeten sich in einem thematisch, chronologisch und topographisch breit gefächerten Vortragsprogramm der Frage nach den Charakteristika von Zeit- und/oder Lokalstilen in der antiken Malerei und dem Verhältnis und Einfluss von lokalen Stilen und Traditionen. Der vorliegende Aktenband legt die 45 Vorträge zum diesem Generalthema sowie weitere 17 Beiträge zu novitates und darüber hinaus 40 Poster vor. Die Themenwahl war direkt am wichtigen Beitrag der ephesischen Malerei zum Verständnis von lokalen Traditionen und Werkstattgruppen in der Malerei orientiert, die sich insbesondere in den Hanghäusern beobachten lassen. Vor allem das seit Kurzem öffentlich zugängliche Hanghaus 2 bietet äußerst vielfältige und aufschlussreiche Einblicke in die Entwicklung der römischen Wandmalerei des oft weniger gut dokumentierten 2. und 3. Jhs. n. Chr. und gibt daher wertvolle methodische Impulse. Vor dem Hintergrund der ephesischen Malereien widmen sich die Beiträge speziell solchen Befunden, die einen reichen Materialbestand in einem gut datierbaren archäologischen Kontext bieten. Solassen sich besonders gut Einflüsse wie besondere zeitgebundene Moden, lokale Werkstatttraditionen und der persönliche Einfluss der Auftraggeber herausarbeiten. Chronologisch spannen die Beiträge einen Bogen von der hellenistischen Zeit bis in die Spätantike, wobei sich Schwerpunkte diesmal, neben Pompeji, zur Malerei der späteren römischen Kaiserzeit sowie insbesondere der Spätantike, mit Studien zu zentralen Monumenten und wichtigen neuen Befunden, ergaben. Topographisch sind alle Bereiche des römischen Reiches abgedeckt, von den Vesuvstädten und Italien, dann insbesondere (als Gastgeberland) Kleinasien, gefolgt von den Nordwest- und Ostprovinzen sowie dem Orient und Afrika. Generell wird deutlich, dass auf der einen Seite bis zur mittleren Kaiserzeit oftmals die Begriffe Zeitstil und Lokalstil fast deckungsgleich verwendbar sind, was auf die zentralistische Struktur des römischen Reiches und den Vorbildcharakter Roms zurückzuführen ist. Das ändert sich in der späteren Kaiserzeit stark, und auf den ersten Blick sind Malereien etwa aus Rom (Ostia), Nordafrika und Ephesos verschiedenen Traditionen, Entwicklungen oder lokalen Werkstätten verpflichtet, mit variableren Möglichkeiten der Wandaufteilung, der Farbgebung und der Verwendung von Dekorelementen und Bildthemen, die sich nicht ohne weiteres in einer gemeinsamen Auffassung von Zeitstil erklären lassen. Abgerundet werden die thematischen Beiträge durch die zahlreichen, in ihrer Qualität und Bedeutung wichtigen Neufunde. Der vorliegende Band dokumentiert, dass die Erforschung antiker Malerei derzeit eine sehr produktive, dynamische Phase erlebt, in der durch stark verfeinerte Grabungsmethoden und zahlreiche neue und ergiebige Fundplätze die Materialbasis eine große Erweiterung erfährt. So entsteht eine neue Ausgangsbasis für die Beurteilung der Phänomene von Zeit- und Lokalstil.