Reg. Kaiser Friedrichs III., Allgemeine Urkundenreihe (1483-1488)
Reg. of Emperor Frederick III., AUR (1483-1488)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Late Middle Age,
Communication,
Diplomacy,
Emperor Frederick III
Der vorliegende Band Regesten Kaiser Friedrichs III., in der Reihe der Regesta Imperii nimmt das letzte Regierungsjahrzehnt des Habsburgischen Kaisers im Speziellen den Zeitraum von 1483 bis 1488 in den Blick. Inhaltlich bilden die für die Untersuchung herangezogenen Diplome aus der Allgemeinen Urkundenreihe des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien, aus den Familienurkunden sowie aus den nur abschriftlich vorhandenen Diplomen einige historisch wesentliche Schwerpunkte ab. Einige inhaltliche Schwerpunkte der im Band aufgenommenen Diplome und Deperdita seien kurz erwähnt. In den ersten Jahren des untersuchten Zeitraumes machen Verschreibungen, Verpfändungen und Belehnungen den Hauptteil der Sammlung aus. Aus diesem Urkundenmaterial wird der hohe finanzielle Bedarf des Kaisers zur Verteidigung der Erbländer gegen den Ungarnkönig Matthias Corvinus und gegen die Türken sichtbar. Finanzstarken Adeligen verschrieb der Kaiser vermehrt Schlösser und Burgen sowie Einkünfte, die für den Wiederaufbau einzusetzen waren. Die andauernden Auseinandersetzungen mit Matthias Corvinus waren wiederholt Anlass für den Kaiser, die finanzielle Unterstützung des Reiches anzufordern. So wurde eine Eilende Hilfe beschlossen, deren Eintreibung sich in der Praxis jedoch als recht schwierig, weil langwierig, erweisen sollte. Ein Kuriosum der Geldbeschaffung findet sich in den Familiendiplomen. Der Kaiser fordert von König Johann von Portugal die Mitgift seiner bereits 1467 verstorbenen Gattin Eleonore ein immerhin 43.000 Golddukaten. Der zweite große Themenkreis neben der Finanzgebarung des Kaisers stellt die Sicherung des Reiches im Westen dar. Hier war das Einvernehmen mit und das Eingreifen gegen Ehz. Sigmund von Österreich notwendig. Ehz. Sigmund betrieb zunächst selbst eine aktive Expansionspolitik in Schwaben, geriet aber zusehends in Abhängigkeit von den bayrischen Herzögen, die den Innsbrucker Hof unterwanderten. Die Ächtung der bösen Räte sowie die Rücknahme der Verschreibungen Sigmunds an die Bayernherzöge sollten die alten Verhältnisse wiederherstellen. Der Sicherung im Westen diente die Gründung des Schwäbischen Bundes, die sich ebenfalls im bearbeiteten Bestand abbildet. Das Bündnis hatte eine explizite Schutzfunktion für die Schwäbischen Reichsstädte. Der dritte inhaltliche Schwerpunkt des bearbeiteten Urkundenmaterials kreist um den Beginn der Doppelregierung des Kaisers nach der Wahl seines Sohnes Maximilian zum römisch-deutschen König. Während Maximilian sich in den Niederlanden engagierte, wandte sich der Kaiser wieder verstärkt den Erbländern zu. Eine Konkurrenz zwischen beiden Herrschern lässt sich im bearbeiteten Material nicht erkennen. Die vorliegende Publikation reiht sich ein in die systematische Sammlung und Regestierung von Urkunden und Briefen Kaiser Friedrichs III. Das hier nach hilfswissenschaftlichen Kriterien aufbereitete Material bietet einen Ausgangspunkt für weiterführende landeskundliche, adelsgeschichtliche, das Finanzwesen und die Institutionenbildung betreffende Studien. Die formale und inhaltliche Analyse von diplomatischen Schreiben bietet Informationen zu den Medien der Kommunikation. Die sogenannte Eigenhändigkeit wird verstärkt als Mittel der Beglaubigung und der Rechtskraft eingesetzt. Die Analyse der in den Quellen genannten Personen beleuchtet die institutionelle Struktur, die die Entwicklung von Netzwerken aristokratischer, bürgerlicher und rechtskundiger Eliten ermöglichte.