Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
Karl Kraus,
Peter Altenberg,
Third Walpurgis Night,
Prodomos,
Typology
Abstract
Die Monografie erforscht die modernen Haltungen, die sich in den Texten "Dritte
Walpurgisnacht" von Karl Kraus (1874-1936) und "Prodromos" von Peter Altenberg
(1859-1919) ausdrücken. Im Anschluss an Foucaults Verfahren der Diskursanalyse
und sein Konzept der Selbstpraxis wird die Frage untersucht, mit welchem Typus
von Subjekt und Wahrheit die literarischen Werke jene Strukturen des Sagbaren
aufbrechen, in denen sie historisch verankert sind. Das Ergebnis ist kein
biografischer oder philologischer Vergleich, sondern der Erfahrungsbericht einer
performativen Lektüre, die den archäologischen Schnitt und die genealogische Linie
der Schriften nachvollzieht. Bei der "Dritten Walpurgisnacht" handelt es sich um den
Versuch einer Urteilsbildung im Sinn der kantschen Erkenntnislehre: Was konnte
man 1933 in Wien über die nationalsozialistische Machtergreifung wahrnehmen,
wenn man Zeitungen las, Radio hörte und ins Kino ging? Die Analysen der
leitmotivischen Diskurse zur Schutzhaft, zur Zweiten Revolution und zum deutsch-
österreichischen Konflikt führen den Hintergrund der Kritik von K. K. vor Augen,
wonach die Massenmedien als Erweiterungen der Sinnesorgane die Vorstellungskraft
zerstören. Im Fall von "Prodromos" bezieht sich die Archäologie auf das Wissen der
Lebensreform, der Hygiene, der Reklame und des Stummfilms, während die
Genealogie an Kierkegaards Wahrheitsbegriff, Nietzsches Theatralisierung und die
antike Diätetik anknüpft. P. A. spiegelt den Markt der Existenzweisen, wie er im Jahr
1905 erscheint, ohne sich auf eine Identität festzulegen: Sein Essayismus sucht jene
Rollen, die das Leben stärken, und findet überall Quellen der Lust. Ein
abschließender Dialog verdichtet die Haltungen der beiden Typen und vertraut den
Lesern die ethische Aufgabe der Aktualisierung an.