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Rationes decoris. Dorische Friese in Mittelitalien

Rationes decorus. Doric friezes in Central Italy

Dominik Maschek (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/PUB25
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 14.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Architecture, Roman Republic, Hellenism, Doric Order, Architectural Decoration, Central Italy

Abstract

Die vorliegende Arbeit setzt es sich zum Ziel, basierend auf typologischen Auswertungen und räumlichen wie zeitlichen Differenzierungen verschiedene historische Modelle zu entwerfen, die sowohl die diachrone Entwicklung von Architekturdekoration in den mittelitalischen Regionen als auch deren Abhängigkeit von größeren kulturgeschichtlichen und sozioökonomischen Prozessen darzustellen vermögen. Exemplarisch wird dies für Aufkommen und Verbreitung dorischer Friese in der mittelitalischen Architektur des 2. und 1. Jhs. v. Chr. versucht, zu denen bislang noch keine umfassende Untersuchung vorliegt. Die empirische Auswertung des archäologischen Materials konzentriert sich dabei primär auf Fragen nach der technischen Ausführung und formalen Gestaltung der untersuchten Stücke und deren regionaler Verbreitung. Die Befunde der Einzelobjekte wurden übersichtlich zusammengefasst, typologisch geordnet und nach regionalem Vorkommen kartiert, um Grundlagen für die folgende chronologische und chorologische Auswertung zu liefern. Vor allem die Rekonstruktion der ursprünglichen Baukontexte von Einzelstücken spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse dieser Basisuntersuchung wurden in einem letzten Schritt zu einer modellhaften Interpretation und historischen Auswertung synthetisiert. In Form dreier Exkurse wurden abschließend die Fragen nach den inhaltlichen und kulturellen Aspekten von Baudekor nochmals von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Eines der wesentlichen Ergebnisse der Arbeit besteht in einer kohärenten Typologisierung von motivischen Merkmalen, die an dorischen Friesen aus insgesamt 206 Baukontexten durchgeführt wurde. Anhand dieser breiten Datenbasis war es erstmals möglich, für jedes der untersuchten Gebäude eine typologisch begründete Datierung vorzuschlagen. Auf dieser Grundlage konnten im Anschluss diachrone geographische Kartierungen vorgenommen werden, die in traditionellen Typologien bislang fehlten. Aus der räumlichen und zeitlichen Verteilung des Materials konnte abgeleitet werden, dass anstelle einer von Rom ausgehenden konzentrischen Verbreitung der Ornamente ein seit der Mitte des 2. Jhs. v. Chr. aktives komplexes Netzwerk kleinräumiger Beeinflussungen zu postulieren ist. Unterschiedliche Bau- und Handwerkstraditionen trugen häufig zu einer differenzierten Gestaltung von Monumenten bei und erwiesen sich als bemerkenswert langlebig. Die Analyse von gut erhaltenen Einzelmonumenten erlaubte darüber hinaus die Rekonstruktion der motivischen Repertoires sowie der Organisation einzelner lokaler Handwerksbetriebe. Abschließend konnte die wechselnde Verbreitung spezifischer Motivkombinationen an bestimmten Typen von Sakral- und Grabbauten mit verschiedenen politischen Umstrukturierungen vom Bundesgenossenkrieg bis hin zu den Landverteilungen und Munizipalisierungsprozessen der frühaugusteischen Zeit korreliert werden. Das herkömmliche Modell, in dem mittelitalische Architekturdekoration des 1. Jhs. v. Chr. als Zeichen einer zunehmend "hellenisierten" Gesellschaft gesehen wurde, reicht zur Erklärung dieses Phänomens nicht aus. Vielmehr wurde im Rahmen der Untersuchung das Hauptaugenmerk auf die Beschreibung interregionaler und intralokaler Rezeptionsphänomene gelegt. Bauornamentik konnte dabei als sensibler Indikator für die diachronen Veränderungen in der kleinräumigen ästhetischen Wahrnehmung von Architektur und somit auch als kulturgeschichtlich relevante Quelle für die heterogene Gesellschaft der spätrepublikanischen mittelitalischen Regionen erkannt werden.

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