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Die Erklärbarkeit von Erfahrung

The Explainability of Experience

Ursula Renz (ORCID: 0000-0001-9066-0923)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB31
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 20.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    Spinoza, Mind, Explainability, Experience, Philosopy Of Mind, Epistemology

Abstract

Die vorliegende Arbeit diskutiert Spinozas Theorie des menschlichen Geistes am Leitfaden der Frage nach der Erklärbarkeit von subjektiver Erfahrung. Im Zentrum steht die These, dass Spinoza in seiner Ethica zusammenführt, was oft für unvereinbar gehalten wird, nämlich die Intuition, dass Erfahrung etwas irreduzibel Subjektives ist, auf der einen Seite und auf der andern die Überzeugung, dass es bessere und schlechtere Erklärungen von Erfahrungen gibt. Spinoza zeigt, dass diese beiden Intuitionen durchaus kompatibel sind und ein Skeptizismus im Blick auf die Erklärbarkeit von Erfahrung keineswegs die notwendige Folge davon ist, dass man die Subjektivität des Erlebens theoretisch ernst nimmt. Dieser interpretative Ansatz ermöglicht eine neue Sicht auf Spinozas Ethica, dank derer viele notorisch dunkle Stellen insbesondere seiner Philosophie des Geistes entschlüsselt werden können und in einen spannenden Dialog mit gegenwärtigen Debatten gebracht werden können. Als entscheidender Schachzug wird dabei die in der Architektur der Ethica angelegte Unterscheidung von Theorieteilen gewertet. Konkret lassen sich in Spinozas Theorie des menschlichen Geistes eine Ontologie des Mentalen, eine Subjekttheorie und eine mit dem Problem der mentalen Inhalte befasste Psychologie resp. Erkenntnistheorie unterscheiden. Dank der Methode des mos geometricus gelingt es Spinoza, die argumentativen Abhängigkeiten und v.a. auch Unabhängigkeiten dieser Theorieteile untereinander präzise zu bestimmen. So geht er unter anderem z.B. davon aus, dass die Eigenschaft von mentalen Zuständen, einem bestimmten Subjekt zuzukommen, keine ontologische ist, womit eine Reduktion von Mentalem auf subjektives Bewusstsein ausgeschlossen werden kann Genauso wenig erlauben allerdings umgekehrt die für die Individuation menschlicher Subjekte bestimmenden phänomenologischen Einsichten ontologische Rückschlüsse. Für den Nachweis, dass Erfahrung erklärbar sei, ist diese Theoriestruktur deshalb entscheidend, weil sie sowohl Reduktionismen als auch Skeptizismen - und damit die beiden grossen Versuchungen der heutigen Diskussion - bereits im Ansatz vermeidet. Und genau deshalb ist Spinozas Theorie des menschlichen Geistes als Alternative zur heutigen Diskussion von Interesse. Die vorliegende Arbeit ist einer detaillierten Rekonstruktion dieser Theorie gewidmet, wobei sie einerseits notorisch dunkle Stellen der Ethica im Lichte der anvisierten Fragestellung erläutert, andererseits Spinoza in einen Dialogs mit gegenwärtigen Positionen der Philosophie des Geistes bringt.

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