Das Heroon von Trysa, Teil 1
The Heroon from Trysa, Part 1
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Lycia,
Trysa,
Heroon,
Greek Classic,
Greek Myths,
Lycian Dynasts
Das Heroon von Trysa liegt in den Bergen Lykiens (Türkei) auf einem Plateau, auf dem die östliche Nekropole der Siedlung angelegt war. An vier Seiten umgibt eine ursprünglich drei Meter hohe Umfassungsmauer den Grabbezirk, in dessen Innerem das eigentliche Grabmal aufgestellt war. Die südlichen Außenwände, das Tor und alle vier Innenwände des Temenos waren in den beiden oberen Steinschichten über eine Länge von mehr als 211 Metern mit figürlichen Friesen geschmückt. Die Ergebnisse der ersten intensiven Beschäftigung mit dem Heroon von Trysa wurden in der Publikation von Otto Benndorf und George Niemann im Jahre 1889 vorgelegt. Benndorfs Interesse an dem Denkmal geht auf die Berichte der Forschungsreisen des Posener Gymnasiallehrers Julius August Schönborn zurück, der als eigentlicher Entdecker des Heroons anzusprechen ist. Das Heroon von Trysa wurde von Benndorf und seinem Expeditionsteam als nahezu intaktes Grabensemble wiederentdeckt. Im Jahre 1884 wurden die Friese nach Wien verbracht und zählen heute zu den bedeutendsten archäologischen Denkmälern im Kunsthistorischen Museum. Erreichte der damalige Besucher nach dem Anstieg das Heroon, so fiel der Blick auf die Friese beidseitig des reliefgeschmückten Eingangs. Den Betrachter erwartete ein vierfaches Kampfbild: Amazonomachie, Kentauromachie, der Kampf der Sieben gegen Theben und eine Landungsschlacht. Die Medusa und die Stierprotome am Türsturz der Außenseite haben apotropäische Wirkung, der Bezug zum Jenseits manifestiert sich in den Rosetten und den Bes-Figuren am Türsturz sowie den Kalathiskostänzern der Türleibungen an der Innenseite. Im Inneren setzen sich die Friese fort: An der Südwand rechts des Tors schmücken Themen aus der griechischen Mythologie die Steinscharen, der Freiermord des Odysseus und darunter die Kalydonische Eberjagd. Der Raub der Leukippiden an der Nordwand, die Taten des griechischen Heros Theseus an der Ostwand oder die Platten mit dem Kampf der Sieben gegen Theben an der äußeren Südwand, kommen auf Denkmälern in Lykien nur einmal, nämlich in Trysa, vor. Die Westwand wiederum zeigt Kämpfe und eine Stadtbelagerung. Die Friese der Stadtbelagerung wurden in der Forschung immer wieder als Belagerung von Troja durch die Griechen gedeutet, doch ist der Zusammenhang dieses Frieses zu Homer und Troja nicht klar erkennbar. In der vorliegenden Studie werden die Friese im Kontext der Kultur und Gesellschaft der Lykier untersucht und Fragen zu der Auswahl des Bildprogramms neu interpretiert, das mit griechischen, lykischen und auch persischen Themen und Inhalten die Lebenswelt der Lykier in so charakteristischer Weise visualisiert und den Wünschen und Vorstellungen des Grabherrn gerecht wird. Der erste Band des zwei-bändigen Werks umfasst die Einleitung, Forschungsgeschichte, die typologische und ikonographische Analyse der Friese, die Kapitel zum Stil und zur Interpretation des Heroons von Trysa, sowie den Katalog mit der Beschreibung der Figurenfriese. Der zweite Band beinhaltet die Abbildungen,dieBeilagen, Tabellen sowiedie Abbildungsverzeichnisse, die Abkürzungen und die Bibliographie.
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