Das Theater von Ephesos. Archäologischer Befund, Funde...
The theater of Ephesus. Archaeological context, findings, ...
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (30%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Ancient Theater,
Urbanism,
Archaelogical Excavation,
Ephesos - Asia Minor,
Material Evidence,
Building Research
Mit dem vorliegenden Band der Reihe Forschungen in Ephesos werden die jüngsten archäologischen Untersuchungen am Theater von Ephesos vorgestellt. Der Band umfasst neben der Auswertung der Grabungsbefunde die Analyse der unterschiedlichen Fundgattungen, wie Keramik- und Glasfunde, Terrakotten, Skulpturen, Kleinfunde, Münzen, Tierknochen und inschriftliche Zeugnisse. Damit kann die bauliche Entwicklung im Zuge der nunmehr insgesamt acht Bau- bzw. Nutzungsphasen vom Leser in klarer Form verfolgt und nachvollzogen werden. Zur Anlage des Theaters nutzte man eine natürliche Geländeformation am Westabhang des Panayirdag, welche durch eine monumentale, über 70m lange Terrassenmauer für die Errichtung des Bühnengebäudes vorbereitet wurde. Obwohl die Platzwahl für das Theater vermutlich schon bei der Planung zur Neugründung der Stadt durch Lysimachos im frühen 3. Jh. v. Chr. getroffen worden war, erschließt sich durch die Fundauswertung für das zweigeschossige hellenistische Bühnengebäude ein Baubeginn im 2. Viertel des 2. Jhs. v. Chr. Bezüglich des Zuschauerraumes konnten bislang keine Hinweise auf die Entstehungszeit gewonnen werden, doch ist davon auszugehen, dass seine Errichtung dem Bühnengebäude vorausgegangen ist. Das Theater erfuhr erste bauliche Veränderungen in den Jahren 51/50 v. Chr., während tiefgreifende Umgestaltungen dann in den Regierungszeiten der Kaiser Domitian (Fertigstellung des Nordflügels im Jahre 92 n. Chr.) und Trajan (Vollendung des Südflügels zwischen 102 und 112 n. Chr.) folgten. In diesem Zusammenhang sind vor allem auch die Erneuerung des Bühnengebäudes mit der Errichtung der prachtvollen, nunmehr dreigeschossigen Ostfassade und die Anlage der römischen Bühne zu nennen. Besonders die groß dimensionierten Erweiterungen des Zuschauerraumes in Form des Nord- und Südflügels erforderten ein neues Zugangssystem für die Besucher. Dabei verband eine imposante Treppenanlage vor der südlichen Außenseite drei überwölbte Eingänge, die in Form von Korridoren zu den drei horizontalen Umgängen und zu den Aufgängen und Sitzplätzen im Theaterinneren führten. Eine ähnliche Treppenanlage darf vor dem Nordflügel angenommen werden. Auch die Erbauung der Fernwasserleitung des Aristion, deren Trasse unter dem Zuschauerraum hindurchgeführt wurde, ist dieser Bauperiode zuzurechnen. Weitere umfangreiche Baumaßnahmen am Nordflügel resultierten vermutlich aus Erbebenschäden während des 3. und 4. Jh. n. Chr. und führten zur stark eingeschränkten Nutzung bzw. Aufgabe der nördlichen Zugänge. Ab dem späten 5. verlor das Theater zusehends seine ursprüngliche Funktion und wurde schließlich. nach entsprechenden baulichen Adaptionen im späten 6./frühen 7. Jh. v. Chr in die byzantinische Befestigungsanlage integriert.