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Germanistik in Wien

German Studies at the University of Vienna

Elisabeth Grabenweger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/PUB362
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 14.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (10%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    Viennese German Department, Academic History, First Third Of The 20Th Century, Scientific And Institutional History, First Female Scholars

Abstract

An der Wiener Germanistik wurde im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts mehr Frauen die akademische Lehrbefugnis verliehen als an allen anderen Instituten des deutschsprachigen Raums. 1921 habilitierte sich die Literaturhistorikerin und Vertreterin einer sozialdemokratisch orientierten Frauenbewegung Christine Touaillon (18781928) aufgrund ihrer umfassenden und als Pionierleistung zu wertenden Studie Der deutsche Frauenroman des 18. Jahrhunderts, 1924 die Romantikforscherin und Anhängerin zeitgenössisch innovativer Wissenschaftsauffassungen Marianne Thalmann (18881975) aufgrund ihres Buchs Der Trivialroman und der romantische Roman und 1927 die Volks- und Germanenkundlerin Lily Weiser (18981987) aufgrund ihrer prägnanten Abhandlung Altgermanische Jünglingsweihen und Männerbünde. Zurückzuführen ist diese Besonderheit der Zulassung von Wissenschaftlerinnen zum akademischen Lehramt, die trotz der politischen und rechtlichen Gleichstellung von Männern und Frauen durch die Verfassung der Ersten Republik an den anderen Universitäten des Landes teilweise auf massiven Widerstand stieß, auf grundlegende Veränderungen im Wissenschaftsbetrieb der Wiener Germanistik. Die Analyse dieser Veränderungen, die sich sowohl auf institutioneller, habitueller, wissenschaftlicher als auch politischer Ebene zeigen, ermöglicht in der Zusammenschau besonders beispielhafte Einblicke in die Funktionsweisen der Institution Universität, respektive in die Bedeutung der Wiener Germanistik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Dabei wird offensichtlich, dass nicht die Leistungen Einzelner, sondern das Selbstverständnis und die disziplinäre Ausdifferenzierung eines Faches wesentlich dessen personelle Umsetzung und damit auch den Status von Außenseitern, mithin von Frauen, im Wissenschaftsbetrieb beeinflussen. In der Studie wird deshalb zunächst auf die wissenschaftliche und institutionelle Verfasstheit der Wiener Germanistik, auf Auswahlkriterienund Auseinandersetzungen bei Nachfolgeverhandlungen, auf die Bedeutung der Privatdozentur, auf das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden sowie auf politische Richtungsbestimmungen des Fachs eingegangen. Darauf aufbauend folgen Einzeldarstellungen der drei Privatdozentinnen Christine Touaillon, Marianne Thalmann und Lily Weiser. Dabei werden die jeweiligen Positionierungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume der Germanistinnen ebenso in den Blick genommen wie ihre Forschungsschwerpunkte und deren ideologische Implikationen. Nicht zuletzt lassen sich dadurch auch Aussagen über den Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Spezialisierung und universitärer Karriere treffen.

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