Otto Bauer: Studien zur sozial-politischen Philosophie
Otto Bauer: Studies on social and political philosophy
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (40%); Politikwissenschaften (40%)
Keywords
-
Austromarxism,
Democracy,
Nation,
Socialism,
Revolution (Third Way),
Facism,
SDAP
Gegenstand des Buches ist die Darstellung Otto Bauers als führender Gestalt des Austromarxismus und der SDAP, sowie die kritisch-analytische Lesart seiner philosophisch-historiosophischen, wirtschaftlichen, soziologischen und sozial-politischen Theorien, die von dem Hintergrund der damaligen Diskussionen in der II. und der III. Internationale, der politischen Ereignisse in der SDAP, der internationalen Arbeiterbewegung und den sozial- geschichtlich-politischen Prozessen in Österreich und in Europa gezeigt wurden. Der Schwerpunkt des Buches wurde auf die Analysen Bauers: philosophisch-methodologischen, ethischen und historiosophischen Erörterungen, der Theorie des Imperialismus, der Theorie der Nation, der Lösung der Nationalitäten frage, der Auffassung von den Wegen zum Sozialismus, der Kriegs- und Friedensfrage, der faschistischen Theorien, sowie auf seine politische Tätigkeit gelegt. Die Konstruktion des Buches ermöglicht, die theoretischen Ansichten Bauers und den Austromarxismus im Zusammenhang mit der politischen Praxis der SDAP und mit der politischen Geschichte Österreichs und Europa darzustellen. Im Buch wird die Antwort auf verschiedene Fragen gesucht, u.a. nach dem theoretischen und praktischen Wert der von Bauer und dem Austromarxismus vorgeschlagenen Lösungen sozial-politischer und wirtschaftlicher Fragen in der demokratischen Staatsordnung, nach der Besonderheit der durch Bauer und den Austromarxismus erarbeiteten philosophisch-sozial- politischen Konzeptionen im Vergleich mit den Lösungen der Klassiker des Marxismus, der marxistischen Orthodoxie und insbesondere des Leninismus und seiner praktischen Verkörperung des Bolschewismus, nach der Bauer Denken bedingenden Faktoren (die sowohl in seiner Persönlichkeit als auch in der sozialen und historischen Situation begründet liegen, in der er wirkte) sowie die sich daraus ergebenen Inkonsequenzen in seinen ideologischen und politischen Einschätzungen und Entscheidungen, und nicht letztlich auf die Frage - die wie ein Faden das Buch durchzieht - inwiefern die politische Niederlage Bauers und der österreichischen Sozialdemokratie im Jahr 1934 auf fehlerhafte politische Urteile und Entscheidungen zurückzuführen ist, und in welchem Grade sie sich aus den unkritisch übernommenen und durch die Geschichte falsifizierten theoretisch-philosophischen Grundlagen des Marxismus ergab. Im Buch wurden die bisher in der Weltliteratur nicht bearbeitete Gebiete im Bauers Denken kritisch dargestellt: seine philosophisch-historiosophischen und ethischen Anschauungen, seine Theorie des Imperialismus und der Krisen in der kapitalistischen Wirtschaft und die Stellung Bauers zur Kriegsproblematik. Die Autorin stellt fest und zeigt, dass zu den interessantesten Theorien Bauers gehören: die Theorie der Nation, die Demokratietheorie, die Theorie des Staates, die Faschismustheorien, die auch heute einen wissenschaftlichen Wert besitzen. Besonders wertvoll scheint Bauers dynamisches Demokratiemodell zu sein, das auf der Basis der politischen und der funktionalen Demokratie errichtet ist. Die große Aufmerksamkeit wurde im Buch auch Bauers vorgeschlagenen Programmen gewidmet: dem Programm der national-kulturellen Autonomie, dem Programm der Sozialisierung und dem Agrarprogramm, weil alle diese Programme die aktuelle Akzente erhalten. In den abschließenden Bemerkungen wurde die Frage nach der allgemeinen Bewertung der politischen Tätigkeit Bauers und die Tragweite des Austromarxismus gestellt und beantwortet.