Grazer Alltagsmomente zu Kriegsbeginn 1914
Public life in Graz during the outbreak of WWI
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Soziologie (30%)
Keywords
-
First World War,
Homefront,
War enthusiasm
Die Dissertation untersucht mittels eines mikrohistorischen Zugangs den Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Graz. Der Fokus liegt auf dem Alltagsleben in den Grazer Straßen. Fragen bezüglich des Privatlebens wurden ausgeblendet. Die Beobachtungszeit beschränkt sich auf die Zeit zwischen dem Attentat in Sarajevo und Dezember 1914. Zu den Hauptquellen zählen Zeitungen, Magazine, Akten, Broschüren und Berichte. Jede dieser Quellen hat klarerweise ihre Vor- und Nachteile. Das Ziel der Studie war, den Transformationsprozess von einer graduell militarisierten Gesellschaft im Frieden, hin zu einer Gesellschaft im Krieg zu beschreiben und zu erklären. Die Arbeit analysiert infolgedessen mehrere kriegsbezogene Aspekte, wie die Kriegsbegeisterung, den Einheitsprozess, das sogenannte Pflichtbewusstsein sowie diverse Besorgnisse und Ängste. Zudem gilt es darauf hinzuweisen, dass der Begriff Begeisterung damals eine andere Bedeutung hatte. Heutzutage umfasst der Begriff bestimmte Formen des Jubels, der Freude und der Erleichterung. Vor über hundert Jahren meinte der Begriff aber auch Formen der Hingabe, der Entschlossenheit und innerer Erregung beziehungsweise Rastlosigkeit. Das Resultat der Studie legt eine Reihe von neuen Faktoren bezüglich der Art und Weise, wie wir die Kriegsbegeisterung und den Burgfrieden verstehen und interpretieren können, nahe. Die Dissertation zeigt nämlich, dass sich in den ersten Kriegsmonaten die soziale Kohäsion innerhalb der Stadt massiv veränderte. Die Menschen hatten mehrere Vorstellungen bezüglich der richtigen Lebensweise (bezüglich der richtigen Kriegsführung). Einige dieser unterschiedlichen Vorstellungen konkurrierten miteinander, was zu unzähligen Konflikten (und Kooperationen) auf den Straßen führte. Am Ende prägten nicht nur Hilfeleistungen und Unterstützungen das Alltagsleben, sondern auch Beschimpfungen, Schlägereien, Messerattacken und Denunziationen. Zeitgleich hoben viele Menschen, vor allem Frauen aus den unteren Schichten, ihr Geld ab. Darüber hinaus häuften sie Münzgeld an, weil sie der Meinung waren, dass Banknoten ihren Wert verlieren würden. Außerdem unternahmen viele Menschen, vorwiegend Frauen, Hamsterkäufe. Sie hatten Angst, dass die Lebensmittelversorgung zusammenbrechen würde. Ferner hatte man Angst vor Spionen und Spioninnen sowie prinzipiell vor Fremden. Ebenso prägten sogenannte Drückeberger, Profiteure und Bauernfänger das Straßenleben. Und Erwerbslose wurden teilweise als ein möglicher Unruheherd wahrgenommen. All das zusammen verdeutlicht, dass sich in den ersten Kriegsmonaten die soziale Kohäsion innerhalb der Stadt massiv veränderte.
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