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Die Thun-Hohenstein´sche Reform an der Universität Innsbruck

The Thun-Hohenstein reforms at the University of Innsbruck

Christof Aichner (ORCID: 0000-0002-5187-9778)
  • Grant-DOI 10.55776/PUB472
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Bewilligungssumme 10.000 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (75%); Philosophie, Ethik, Religion (25%)

Keywords

    History of Universities, Austrian History, Neoabsolutism, Educational Reform

Abstract

Die vorliegende Studie untersucht die Umsetzung der sogenannten Thun- Hohensteinschen Universitätsreform 18481860. Diese Reform, benannt nach dem damaligen Unterrichtsminister Graf Leo Thun-Hohenstein, betraf alle Universitäten des damaligen Habsburgerreiches und stellte einen radikalen Eingriff in dessen Bildungssystem dar. Im Zentrum der Reform standen die Universitäten, es wurden aber auch die Mittelschulen und Gymnasien neugestaltet. Die Reform prägte diese Bildungseinrichtungen bis weit in das 20. Jahrhundert, einige Maßnahmen beispielsweise die damals eingeführte Matura oder im Bereich der Universitäten die Habilitation sind heute noch, wenngleich verändert, in Kraft. Während die Reform alle Universitäten betraf, wird in der vorliegenden Studie lediglich die Umsetzung der Reform an der Universität Innsbruck untersucht. Diese Fallstudie ermöglicht einen genauen Blick auf die einzelnen Maßnahmen, Probleme und Folgen der Reform und ermöglicht detaillierte und differenzierte Urteile abseits der bisher oft pauschalen Erörterungen der Reform. In der Arbeit werden die verschiedenen Vorschläge zur Reform und die dahinterliegenden bildungspolitischen und pädagogischen Vorstellungen, die Probleme und Erfolge bei deren Umsetzung sowie die Auswirkungen der Reform behandelt. Im Zentrum der Studie steht die Personalpolitik von Leo Thun-Hohenstein, denn der Minister sah in einer gezielten Auswahl von Professoren eine wichtige Maßnahme bei der Umsetzung der Reform und der Erreichung der Reformziele. Diese Ziele waren, einerseits die wissenschaftliche Qualität der österreichischen Universitäten zu verbessern, andererseits sollten die neuen Professoren die Studenten in einem katholisch-konservativem Geist erziehen. Daher wählte Thun vor allem katholisch-konservative Professoren aus, was teilweise zu Konflikten geführt hat und von Zeitgenossen und HistorikerInnen vielfach negativ beurteilt wurde. Ein Vergleich der bisherigen Urteile über die Reformen ist ebenfalls Teil der Arbeit, wobei sich hier zeigt, dass die Bewertung der Reformen oft abhängig vom Standpunkt des jeweiligen Schreibers war und Thun und dessen Reformen gerade im 20. Jahrhundert mehrfach für bildungspolitische Debatten vereinnahmt wurden. Einen wichtigen Abschnitt der Studie stellt die Untersuchung der Folgen der Reform an der Universität Innsbruck dar. Dabei zeigt sich, dass die Reformen zwar einen großen wissenschaftlichen Aufschwung der Universität bewirkten, aber auch Konflikte durch die Reform geschaffen oder verschärft wurden, die die Geschichte der Universität in den folgenden Jahrzehnten prägten. Hierzu zählen vor allem Auseinandersetzungen zwischen liberalen und konservativ-klerikalen Professoren sowie Konflikte um die Rechte der italienischen Studenten an der Universität. Die Studie ist die erste detaillierte Untersuchung der Reform für eine Universität, und wenngleich vieles einzigartig für Innsbruck ist, so lassen sich doch allgemeine Urteile über die Reform treffen. Mit der Studie wird außerdem eine neue Perspektive eingenommen, die weniger die Vorstellungen und Ideen der leitenden Politiker, sondern vielmehr die konkrete Umsetzung dieser Ideen und deren Folgen untersucht. Für die Studie wurden zahlreiche bisher unbekannte Quellen ausgewertet, die neue Einsichten in die Umsetzung der Reform ermöglichen.

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