Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (47%); Geschichte, Archäologie (50%); Kunstwissenschaften (3%)
Keywords
Ephesus,
Artemision,
Odeion,
Musical Contests,
Festivals,
Early Roman Empire
Abstract
Im Laufe der 125-jährigen Forschungsgeschichte im Artemision von Ephesos stand der um 1870
wiederentdeckte Tempel im Mittelpunkt der archäologischen Arbeiten, während der ihn umgebende,
einstmals dicht bebaute heilige Bezirk unerforscht blieb. Vom Österreichischen Archäologischen
Institut wurde im Jahr 2009 ein Projekt zur bis heute einzig sichtbaren römischen Ruine innerhalb des
heiligen Bezirkes initiiert, um den Forschungsschwerpunkt ausgehend von diesem Gebäude auf die
römische Nutzungsphase und den gesamten heiligen Bezirk auszudehnen. Der Bau, der zuvor als
Tribüne bezeichnet wurde, konnte aufgrund von engen bautypologischen Vergleichen und
spezifischem Fundmaterial als frühkaiserzeitliches Odeion identifiziert werden, ein Bautypus, der
üblicherweise mit der Abhaltung von musischen Agonen in Verbindung gebracht wird.
Die Existenz musischer Agone während der heiligen Spiele für Artemis in Ephesos ist schließlich in
der Kaiserzeit durch Siegesnennungen eines Enkomiendichters, eines Rhetors, eines Choraules, dreier
Komödianten sowie eines Kitharoden belegt. Helmut Engelmann vermutete daher schon früher die
Ausrichtung des musischen Teils der Artemisia innerhalb des Heiligtums. Nachdem das untersuchte
Gebäude als typologisch beispielhaftes frühkaiserzeitliches Odeion erkannt wurde, kann der
Austragungsort der überlieferten musischen Agone nun eindeutig lokalisiert werden.