Monumenta. Studien zu mittel- und späthelladischen Gräbern in Messenien
Monumenta. Studies on Middle and Late Helladic tombs in Messenien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (90%)
Keywords
-
Aegean Prehistory,
Bronze Age Messenia,
Tombs,
Mycenaen Greece
Gräber stellen eine wichtige Quelle zur Rekonstruktion antiker Gesellschaftsstrukturen dar. Die Landschaft Messenien im Südwesten der Peloponnes bildete eines der Kerngebiete der mittel- und späthelladischen (= mykenischen) Kultur Griechenlands (2100/20001200 v. Chr.). Ausgehend von einem Katalog von 54 Fundorten mit etwa 240 Grabanlagen werden in der vorliegenden Monographie die topographische Situation der Gräber, ihre architektonische Ausgestaltung und die Beigabeninventare analysiert. Dadurch bietet die Arbeit einen Beitrag zum besseren Verständnis der sozialen Hierarchie und der politischen Änderungen in dieser Phase der griechischen Geschichte. Das Werk besteht aus zwei Teilen: dem Katalog und der Analyse. Jeder Katalogeintrag enthält die wichtigste Literatur, die zu dem Grab/den Gräbern des betreffenden Fundortes erschienen ist. Ferner werden die Größe der jeweiligen Grabanlage sowie der in ihr angetroffenen Gruben, Nischen, Kistengräber, etc. angegeben. Um den Überblick über Aussehen und Ausstattung der Gräber zu erleichtern, wurden ihre architektonischen Merkmale und die publizierten Fundgattungen Tabellen eingetragen, deren Spalten sich wie folgt gliedern: Architektur Gold (Silber) Bronze (Blei, Eisen) Stein (Bernstein) Glas, Fayence Elfenbein, Bein u. ä. Ton. Eine getrennte Tabelle erschließt die (leider großteils nur sehr ungenügend veröffentlichte) Keramik. Abgeschlossen werden die Katalogeinträge von einer Beschreibung der Bestattungen und einem Abschnitt über die Datierung der Anlagen; fallweise schließen sich noch Ausführungen über die Siedlung an, zu welcher das Grab/die Gräber gehören (könnten). Der analytische Teil gliedert sich wie folgt: An ein einleitendes Kapitel über die Geschichte der Erforschung der bronzezeitlichen Gräber Messeniens schließt ein Abschnitt über die Lage der Gräber in der Landschaft an, gefolgt von einer ausführlichen Untersuchung zur Architektur von Tholoi, sog. Built Graves und Kammergräbern. Baumaterial und Bauweise (von Tholoi und sog. Built Graves) sowie in den Anlagen angetroffener Einbauten wie etwa Nischen, Bänke, Gruben- und Kistengräber werden diskutiert und mit Anlagen außerhalb Messeniens verglichen. Danach folgen auswertende Kapitel zu den Funden; ihre Abfolge ist durch die Reihung in den Tabellen des Kataloges vorgegeben. Innerhalb dieser Kapitel werden die Funde, die man in Gräbern Messeniens entdeckt hat, erörtert und danach in einen weiteren Kontext gestellt: Parallelen sowohl aus Gräbern als auch aus Siedlungen innerhalb (und wenn notwendig, auch außerhalb) der mykenischen Welt zeigen die Verbindungen der Bewohner Messeniens mit den Menschen in anderen Teilen des griechischen Festlandes, auf Kreta sowie auch mit Ägypten und der Levante. Die Gräber stellen eine sehr wichtige Quelle für die Erforschung der sozialen Hierarchie und der politischen Geschichte Messeniens dar. Ein Beispiel dafür sei hier skizziert: Nach dem ersten Auftreten von Tholoi am Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit ist in Späthelladisch (SH) I eine Zunahme von Kuppelgräbern zu beobachten, die sich nur durch ihre größeren Durchmesser von den älteren Gräbern unterscheiden. In SH II bemerkt man eine Änderung: die Anzahl der Tholoi nimmt stark zu, und manche Kuppelgräber heben sich nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch die Qualität ihrer architektonischen Gestaltung von den anderen Tholoi Messeniens ab; die Auswahl der Beigaben dürfte gleich geblieben sein. Dies besagt, daß sich die Bedeutung des Aussehens der Tholoi in SH II verändert hat, da in den vorhergehenden Phasen keine gravierenden Unterschiede in der Bearbeitung des Baumaterials festzustellen sind. Nur in der Größe der Kuppelgräber und der Auswahl der Beigaben dürften sich gesellschaftliche Unterschiede ausgedrückt haben. Vermutlich handelt es sich bei diesen aufwendig gestalteten SH II-zeitlichen Tholoi um die Grabbauten der Anführer einzelner kleiner Herrschaftsgebiete, deren Herausbildung wohl schon am Übergang von der Mittel- zur Spätbronzezeit begonnen hatte. Mit der Etablierung des Palastes von Pylos trat dann ein Ende dieser Entwicklung ein: es wurden keine Tholoi außergewöhnlicher architektonischer Gestaltung mehr erbaut, und auch die Größe der Anlagen nahm wieder ab. Ob die Gründe für diese Änderungen allein im Machtverlust der Eliten der im Reich von Pylos aufgegangenen Herrschaften zu suchen sind, oder ob andere Motive vielleicht wirtschaftlicher Natur zusätzlich verantwortlich gemacht werden können, muß derzeit noch offen bleiben.