Luther/die Reformation in internationalen Geschichtskulturen
Luther/the Reformation in international historical cultures
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Erziehungswissenschaften (35%); Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (25%)
Keywords
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Martin Luther,
History Textbooks,
Reformation,
Historical Myths,
History Didactics,
Historical Culture
In diesem Band werden aufbauend auf eine interdisziplinäre und internationale Tagung von Geschichtsdidkatiker/innen, Kulturwissenschaftler/innen und Kirchenhistoriker/innen im Februar 2016 im Georg-Eckert-Institut Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, Erzählungen, Deutungen und Bewertungen in Bezug auf Luther, die Reformation und verwandter Themen im Geschichtsbewusstsein von Gesellschaften (Geschichtskulturen) thematisiert. Dabei stehen insbesondere Geschichtsschulbücher, in denen sich das historische Bewusstsein von Gesellschaften manifestiert und die auch als Autobiographien von Nationen bezeichnet wurden im Zentrum des Interesses. Es kommen aber auch Lehrpläne, Museen und historische Romane die im Zusammenhang mit der Darstellung der Reformation stehen, zur Sprache. Dabei vereinigt der Band Perspektiven auf Luther, die Reformation und verwandter Themen aus elf verschiedenen mittel- und osteuropäischen sowie asiatischen Ländern (Deutschland, Österreich, die Niederlande, Italien, Russland, Polen, Slowenien, Kroatien, Serbien, Südkorea und Japan) und bietet damit eine Rundumschau auf Deutungsmuster in diversen und bisweilen höchst unterschiedlichen Geschichtskulturen und -traditionen, wie sie bisher noch nicht vorliegt. Das verstärkte Interesse an Luther und der Reformation im Zuge des 500jährigen Gedenkens der Reformation 1517 ist von der Geschichtsdidaktik und der Schulbuchforschung bisher nur zögerlich aufgegriffen worden. Durch diesem Band bezwecken die Herausgeber, die vertiefte historische Beschäftigung mit der Reformation in den letzten Jahren auch für den Geschichtsunterricht und Geschichtsschulbücher fruchtbar werden zu lassen und in diesem Sinne einen Transfer zwischen Fachwissenschaften und Fachdidaktik und Schulbuchgestaltung zu begünstigen. Dies soll den Paradigmenwechsels im Geschichtsunterricht von der Inhaltsorientierung hin zur Förderung historisch-reflexiven Denkens durch eine Bereitstellung von neuen Zugriffen und Perspektiven auf historische Themen unterstützt und Multiperspektivität und Wissenschaftsorientierung im Zusammenhang mit der Schulbuchgestaltung gefördert werden. Dazu werden in einem einleitenden Beitrag aktuelle internationale wissenschaftliche Diskussionen im Zusammenhang mit Luther und der Reformation in einem den Rahmen aufspannenden Basisbeitrag dargestellt und erörtert. In den darauf folgenden Beiträgen werden teils historische teils gegenwärtige Schulbuchdarstellungen oder andere geschichtskulturelle Manifestationen im Lichte dieser Diskurse betrachtet. Dabei kommen Überhöhungen, Mythen, Heldenbildung, protestantische und katholische sowie atheistische Sinnstiftung, legitimierende und delegitimierende Diskurse, blinde Flecken und sachliche Fehler zum Vorschein, werden in den Beiträgen aufgegriffen und kritisch reflektiert. Als ein Ergebnis zeigt sich, dass die Geschichte der Reformation nicht eindeutig erzählt werden kann. Dies verweist auf die Notwendigkeit einer stärkeren Beachtung von zentralen Prinzipien der Historiographie wie beispielsweise Mulitperspektivität, Kontroversität und Pluralität bei der Behandlung eines so geschichtskulturell aufgeladenen Themas. So wird in einem abschließenden Beitrag im Sinne eines Fazits noch einmal explizit die Frage erörtert, wie mit religiösen Konflikten wie der Reformation im Unterricht und in Geschichtsschulbüchern umgegangen werden sollte, damit Schüler/innen zu einem kompetenten Umgang mit Deutungen der Vergangenheit gelangen können.