Food Anxiety in Globalising Vietnam
Food Anxiety in Globalising Vietnam
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (20%); Soziologie (80%)
Keywords
-
Food,
Body,
Consumption,
Social Inequality,
Globalisation,
South East Asia
Der Sammelband Food Anxiety in Globalising Vietnam analysiert die lokale Einbettung eines globalisierten Ernährungssystems und zeichnet dessen Konfliktlinien in Vietnam nach. Vietnam ist ein Land, das sich seit den ökonomischen Umwälzungen Mitte der 1980er Jahre in einem dynamischen Transformationsprozess befindet. Historisch geprägt durch Erfahrungen des Hungers ist Vietnam angesichts seiner jüngeren Geschichte globaler Marktintegration den Herausforderungen eines breiten Nahrungsmittelangebots und damit verbundenen Fragen von Konsum, Identität und Überfluss ausgesetzt. Durch rasante Urbanisierungsprozesse, die Modernisierung des Agrar- und Lebensmittelsystems, sowie den Einfluss bestimmter Körperideale, Lebensstil- und Konsumtrends wird Essen zu einem Merkmal sozialer Distinktion und Ungleichheit und konfrontiert Konsument_innen zunehmend mit Unsicherheit der Unsicherheit, was sie symbolisch und physisch über ihre Nahrungsoptionen in sich aufnehmen bzw. nach außen repräsentieren. Somit ist dieses Buch keine kulinarisch Gaumenreise, sondern artikuliert vielmehr Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit Essen auf verschiedenen Ebenen neu: auf der Ebene der Produktion, der Lebensmittelversorgung und vor allem des Konsums, die sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse als besonders interessant erweisen. Um den Leser_innen möglichst vielfältige Zugänge und Antworten zu bieten, vereint das Buch Beiträge internationaler Autor_innen, deren disziplinäre Hintergründe von der Soziologie und Anthropologie, über Regional- und Entwicklungsstudien, zur Geschichte und den Politik- und Kulturwissenschaften reichen. Auf Grundlage empirischer Forschung adressieren die Kapitel verschiedene Formen von Unsicherheiten. Vor dem Hintergrund der wachsenden Entkopplung von Konsum und Produktion entwickelt das Thema Lebensmittelsicherheit höchste gesellschaftliche Brisanz. Des weiteren sind Körperideale, Gesundheitsvorstellungen und Diätmodelle, die Aushandlung geschlechtlicher, schicht- und generationenspezifischer Identitäten einige der zentralen Themen, die die komplexe und konfliktbehaftete Entwicklung der Nahrungsmittelwege im heutigen Vietnam greifbar machen. Food Anxiety stellt für alle Beiträge des Sammelbandes den gemeinsamen Referenzrahmen her, entlang dessen der relationale Bezug zwischen dem essenden Körper, dem Selbst und der Welt hergestellt wird. Nahrung überquert körperliche und symbolische Grenzen und vermag dabei Gegenwart und Vergangenheit, Individuum und Gesellschaft und den Haushalt mit der Weltwirtschaft in Verbindung zu setzen. Die kritische Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen dieser alltäglichen Grenzüberschreitung des Essens steht im Mittelpunkt des Buches und gibt Aufschluss über die Brüche und Herausforderungen eines globalen Lebensmittelsystems auch über Vietnam hinaus.