Die Lebenszeugnisse Oswalds von Wolkenstein, Band 5
The documents of Oswald von Wolkenstein´s Life. Vol. V
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (40%); Rechtswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)
Keywords
-
History Of Law,
Medieval Documents,
Tyrolean regional History,
Late Medieval Literature,
Conflict - Peace,
Early New High German
Oswald von Wolkenstein (um 1376 - 1445) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Komponisten des Mittelalters. Mehr als 130 seiner Lieder und Reimpaarreden sind in zwei Prachthandschriften und einer relativ raren Streuüberlieferung erhalten. Diese literarischen Texte erhalten ungewöhnlich viel Autobiographisches. Darüber hinaus hat der adelige Liederdichter, wie es für Vertreter seines Standes im Spätmittelalter üblich und notwendig war, Briefe, Urkunden und Aktenstücke archiviert, die seine Karriere als Mitglied des Tiroler Herrenstandes offenlegen. Zusammen mit Informationen aus Zuschriften an ihn und schriftlichen Äußerungen über ihn ergibt sich aus vielen Details ein anschauliches Bild von einem einzigartigen, zugleich durchaus typischen spätmittelalterlichen Adelsleben. Ökonomische Grundlagen, rechtliche Sonderstellung, soziale Vernetzung und politische Einflussmöglichkeiten seines Standes hat Oswald von Wolkenstein optimal genutzt. Vom zweiten Sohn aus niederadeliger Familie und störrischen Rebellen gegen den Landesfürsten ist er umtriebig und beharrlich zum erfolgreichen Geschäftsmann, gesuchten Rechtssachverständigen, Fürstenberater und königlichen Sonderbeauftragten aufgestiegen. In seinen letzten Lebensjahren hat er als wohl situierter, hoch angesehener und politisch aktiver Vertreter des Tiroler Adels maßgeblich an der Politik der Tiroler Ständevertretung im Kampf gegen die Verlängerung der Vormundschaft König Friedrichs III. über seinen jüngeren Vetter Herzog Sigmund und damit um die Eigenständigkeit des Landes Tirol mitgewirkt. Die ungewöhnlich reichhaltige Quellenlage basiert auf den Familienarchiven der Herren von Wolkenstein und schöpft zusätzlich aus Beständen von etwa 40 weiteren staatlichen und privaten Archiven in Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien und Tschechien. Sie waren zuvor nur zum Teil bekannt und zu noch geringeren Teilen publiziert. Sie wurden in jahrzehntelanger Suche ausgehoben, dann transkribiert und schließlich für die nunmehr abgeschlossen vorliegende Edition vorbereitet. Die Texte werden vollständig und nach Regeln historisch- diplomatischer Editionsweise präsentiert wie beschrieben. Die zum Teil umfassenden Kommentare zu den einzelnen Stücken sind untereinander verbunden und ergeben insgesamt ein abgerundetes Bild. Bd. 1 [1999] umfasst die Zeit von 1382 bis 1419 und damit den familiären wie regionalen Hintergrund sowie erste Ansätze zum Aufstieg des Wolkensteiners. Bd. 2 [2001] konzentriert sich auf nur acht Jahre (1420 - 1428) und ein besonders dramatisches Kapitel, nämlich die Rebellion des Tiroler Adels gegen den Landesfürsten, die dem Wolkensteiner Gefangenschaften und demütigende Unterwerfung beschert haben. Bd. 3 [2004] reicht von 1428 bis 1437, er zeigt den Protagonisten als Freischöffen der Feme und widerspenstigen Hochstiftsadeligen, aber auch als Fürstenberater und Sonderbeauftragten König Sigmunds von Luxemburg. Bd. 4 [2011] betrifft die Jahre 1438 bis 1442, in denen der Wolkensteiner seine Anteilnahme an politischen Entwicklungen im Hochstift Brixen und in der Grafschaft Tirol kultiviert, sich in Rechtsprozesse und Geschäftsgänge einbringt und mit Vehemenz in den berüchtigten Rittner Almstreit` einmischt. Bd. 5 [für dessen Förderung hier angesucht wird] schließt mit Tod und Begräbnis des Wolkensteiners ab. Darüber hinaus sind nur mehr vereinzelte, in die Lebenszeit zurückweisende Texte aufgenommen worden. In diesem Zeitraum (Anfang 1443 bis 2. August 1445) präsentiert sich der Wolkensteiner als passionierter Politiker, der seinen erworbenen Wohlstand und sein hohes Ansehen zu Gestaltungsmöglichkeiten in der Politik des Landes Tirol nutzen kann. - Das Hauptgewicht der Überlieferung hat sich im 2. Viertel des 15. Jahrhunderts zunehmend auf Briefe im neuzeitlichen Sinn verlagert.